In 147 Beratungsgesprächen haben die meisten Bankberater weder nach der Finanzlage der Kunden gefragt, noch ausreichend über Produkte und deren Risiken aufgeklärt – trotz gesetzlicher Vorschrift und der Lehren aus der Finanzkrise. Zu diesem Ergebnis kommt Stiftung Warentest nach ihrem Versuch.  

Beim Vergleich von Beratungsgesprächen in 21 Banken und Sparkassen hatten die Warentester keinen Sieger ermitteln können. Die meisten Institute erhielten die Note "ausreichend", die Ostsächsische Sparkasse und die BW Bank sogar "mangelhaft". Nur die Commerzbank, die Kreissparkasse Köln und die Berliner Sparkasse schafften gerade noch ein "befriedigend". "Gute" Beratung gab es demnach nirgends.

Sie zahlt ihren Angestellten keine Provisionen und gibt keine Ziele vor. Dennoch macht sie Gewinne. Ein Unternehmensporträt © Alexandra Endres

"Es ist ein Blamage", sagte Stephan Kühnlenz, der Fachmann der Stiftung für Finanzdienstleistungen. Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) ist unzufrieden mit dem Ergebnis und fordert höhere Anforderungen für Berater und Vermittler. "Die Haftung für Finanzprodukte und deren Vertrieb muss verschärft werden." Sie nannte die Ergebnisse alarmierend. "Offenbar haben viele Banken aus der Krise nichts gelernt."

Die CSU-Politikerin kündigte für diesen Freitag einen Runden Tisch mit Finanzexperten und Verbraucherschützern an. Sie forderte einen gesetzlichen "Beipackzettel" für Geldanlagen, bei dem die Kunden Chancen und Risiken auf einen Blick erkennen können.

Berater empfahlen risikoreiche Papiere

In den Beratungsgesprächen simulierten die verdeckten Tester nach eigenen Angaben Gespräche, wie sie auch Anleger geführt haben könnten, denen vor der Finanzkrise riskante und undurchsichtige Papiere angeboten wurden: Sie wollten 30.000 Euro für fünf Jahre sicher anlegen und vier Prozent Rendite erzielen – laut Stiftung derzeit eine Illusion.

Doch darüber klärte ein Drittel der Berater nicht auf. Auch die simple Weisheit, dass mehr Rendite auch mehr Risiko bedeute, behielten sie demnach für sich. Selbst Volksbanken hätten komplizierte und riskante Zertifikate empfohlen, andere rieten den auf Sicherheit bedachten Anlegern zu Aktien- und Rohstofffonds. "Berater sind immer auch Verkäufer", sagte Kühnlenz.

Laut Stiftung Warentest muss der Berater dem Kunden von Januar 2010 an ein unterschriebenes Exemplar des Beratungsprotokolls aushändigen. Damit könnten Kunden die Empfehlungen zu Hause überdenken und hätten ein Beweismittel für mögliche Streitigkeiten mit der Bank in der Hand.