Schumpeter prägte die Vorstellung einer "schöpferischen Zerstörung", der zufolge ein Wirtschaftssystem sich wandelt, indem führende Firmen einer traditionellen Branche von jungen, innovativen Unternehmern mit neuen Technologien verdrängt werden. Doch die Wirklichkeit ist komplexer. Auch große Konzerne greifen neue Produktionsmethoden auf und stellen ihre Verfahren um, um wettbewerbsfähig zu bleiben oder sich auf neue gesetzliche Regeln einzustellen - etwa, wenn es um die Verminderung ihrer Kohlendioxidemissionen geht.

Wie sehr haben multinationale Konzerne ihren Ausstoß an Treibhausgasen in den vergangenen Jahren reduziert? Die aktuelle Ausgabe der Nachhaltigkeitsindikatoren von Eurosif, Ernst&Young und Le Monde gibt darüber Aufschluss. In der ersten Ausgabe, die am 14. März 2006 in Le Monde Economie veröffentlicht wurde, untersuchte die CO2-Emissionen derselben Unternehmen im Jahr 2004. Der Vergleich mit den aktuellen Daten zeigt: Innerhalb von vier Jahren haben fast alle der großen Industriefirmen und Luftfrachtunternehmen ihre Leistungen verbessert. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, zum Beispiel den Stahlfabrikanten Arcelor Mittal. Und im Energiesektor sind Informationen nur schwer zu erhalten und kaum vergleichbar.

Die Nachhaltigkeitsindikatoren basieren auf öffentlich zugänglichen Unternehmensdokumenten, die das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst&Young zusammengetragen und bearbeitet hat. Betrachtet wurden die größten weltweit tätigen Firmen der Branchen Stahl, Chemie (vgl. Tabelle), Zement, Luftfahrt (vgl. Tabelle) und Öl- sowie Gasförderung (vgl. Tabelle). In diesen Branchen hat die Europäische Kommission die CO2-Emissionen durch Quotenregeln begrenzt. Das zwingt die Unternehmen, sauberer zu werden.

Viele Firmen würden die Umwelt gerne weniger belasten, denn neue Technologien, die sie zu diesem Zweck entwickeln, können ihnen helfen, neue Märkte zu erschließen. Der französische Stromversorger EDF beispielsweise gründete das EDF Energies nouvelles, das 2008 eine Milliarde Euro in Wind- und Solartechnologie investiert hat. Die Firmengruppe setzt außerdem auf die sogenannten Smart Grids, "intelligente Stromnetze", die künftig helfen sollen, Energie zu sparen, und schloss Partnerschaftsverträge mit Renault und Toyota, um Prototypen für elektrische oder Hybridautos zu entwickeln.

Der Zementhersteller Lafarge baute seine Forschung aus und entwickelte zusammen mit Bouygues ein neuartiges Produkt, dessen Dämmeigenschaften den Energieverbrauch im Vergleich zu Beton um 35 Prozent verringern. Lafarge ist der weltweit führende Zementhersteller und Mitglied einer Brancheninitiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, die CO2-Emissionen des Sektors zu reduzieren. Die 18 Mitgliedsunternehmen der Initiative emittierten im Jahr 1990 pro Tonne Zement 769 Kilogramm Kohlendioxid. Im Jahr 2007 waren es nur noch 670 Kilogramm. Das entspricht einer Einsparung von 70 Millionen Tonnen CO2 insgesamt. 

Vor allem aber haben die Mitglieder der Zementinitiative eine allgemeine Methode zur Messung der Emissionen entwickelt, mit deren Hilfe sie, die Öffentlichkeit und Investoren die erzielten Fortschritte verfolgen können. Leider ist das die absolute Ausnahme, sagt Jérôme Verdier, Berater in der Abteilung für nachhaltige Entwicklung bei Ernst & Young: "Im Mineralölsektor nutzt jedes Unternehmen unterschiedliche Indikatoren. Dadurch werden Vergleiche zwischen den Gruppen oder von einem Jahr zum anderen sehr schwierig", sagt er. Über alle Branchen hinweg ist die Berichterstattung zwischen den Jahren 2004 und 2008 kaum umfangreicher oder transparenter geworden. Nur acht der 34 untersuchten Konzerne verbesserten sich.

Der Widerstand gegen das Bemühen um erhöhte Transparenz könnte helfen zu erklären, weshalb die Öffentlichkeit dem Engagement dieser großen Konzerne, Verbesserungen im Umweltschutz zu erzielen, mit Skepsis begegnet. Laut einer Umfrage von TBWA Corporate behaupten 64 Prozent der Befragten, dass der Aspekt der "nachhaltigen Entwicklung" vor allem ein Marketinginstrument sei. 44 Prozent finden die wiederholten Aussagen zu diesem Thema ermüdend.