Edra Blixseth hatte alles. Einen Bentley, ein Privatflugzeug, ein antikes Schlafzimmer mit Möbeln aus dem Vatikan und einen erfolgreichen Ehemann. Im Sommer aber musste die Grande Dame der amerikanischen Luxus-Hotels, Eigentümerin diverser mondäner Herbergen weltweit, ihren persönlichen Offenbarungseid leisten. Sie ist pleite. Ihr Mann hatte sie bereits zuvor verlassen.

Schuld an Edra Blixseths finanziellem Absturz ist die global agierende Schweizer Großbank Credit Suisse - davon ist zumindest Sohn Beau Blixseth überzeugt. Der Junior hat eine spektakuläre Klage gegen Credit Suisse eingereicht. Die Vorwürfe: Erpressung, Geldwäsche und Verschwörung. Der Streitwert: 24 Milliarden Dollar. Die Klageschrift bezeichnet die Credit Suisse als "internationales Banken-Raubtier" und bezichtigt das Institut einer Vielzahl von massiven Verstößen gegen amerikanische Gesetze. Blixseth wirft der Credit Suisse vor, ein Komplott gegen seine Familie und 3000 weitere Investoren entworfen und umgesetzt zu haben.

Ausgangspunkt der Affäre ist ein mondänes Ferienparadies für Multi-Millionäre in den Bergen von Montana. Im Yellowstone Club war schon Bill Gates zu Gast. Nirgendwo sonst auf der Welt könne der Microsoft-Gründer ohne Bodyguards auf die Skipiste, heißt es. Die 14.000 Hektar große Ferienanlage mit Blick auf die Rocky Mountains sei nur rund 250 Familien zugänglich, die bis zu 35 Millionen Dollar für eine Bleibe zahlten, schreibt die New York Times.

Das private Skiresort gehörte einst Edra Blixseth und ihrem Mann Tim, der in der Holzindustrie ein Vermögen verdiente. Mit dem Geld kaufte das Ehepaar Privatinseln auf den Bahamas ebenso wie ein Schloss vor den Toren von Paris, träumte von einer weltweiten Kette luxuriöser Herbergen für die obersten Hundert eines Landes. Der 1997 eröffnete Yellowstone Club zählte einen ehemaligen Vize-Präsidenten der USA und diverse prominente Wirtschaftsbosse zu seinen Mitgliedern. Sie alle schätzten die
Diskretion in den Bergen von Montana.

Das Konzept ging zunächst auf, doch die Blixseths wollten noch höher hinaus, noch mehr Luxus, noch mehr Privatgelände für ihre Gäste. Um die weltweite Expansion zu bezahlen, nahm das Paar bei der Credit Suisse einen Kredit über 375 Millionen Dollar auf.

Dann kam die Weltfinanzkrise. Selbst Superreiche waren plötzlich nicht mehr flüssig, große Vermögen schrumpften in Windeseile zusammen. Unter der Schuldenlast krachte der Yellowstone Club im November 2008 zusammen. Der Bankrott riss auch Familie Blixseth mit sich. Die Anteile an der Ferienanlage, die Tim Blixseth im Zuge der Trennung seiner Ex-Frau Edra überschrieben hatte, gingen an den Finanzinvestor Cross Harbor Capital.

Nun, nur knapp ein Jahr später, deutet sich vor der mondänen Kulisse ein internationaler Multi-Milliarden-Dollar-Krimi an, der nicht nur in die Schweiz, sondern auch nach Iran führt. Die Kläger rund um den Blixseth-Sohn gehen mit der Credit Suisse hart ins Gericht. Das Schweizer Institut soll demnach viel zu hohe Kredite an die Investoren von Luxus-Ferienresorts vergeben haben, um zunächst hohe Gebühren zu kassieren und dann wegen der erwartbaren Zahlungsausfälle die Immobilien selbst zu übernehmen.