Behavioral Finance, die Kursentwicklungen durch die Beobachtung psychologischer Mechanismen prognostizieren will.

Anleger handeln meist irrational – aber sie tun das auf eine vorhersagbare Weise, und das treibt die Märkte. Dies ist eine grundlegende Position der

In den vergangenen Wochen war ihre Perspektive etwas in den Hintergrund geraten. Die Kurse stiegen einfach, weil so viel flüssiges Geld vorhanden war und angelegt werden musste; das überlagerte Marktstimmungen ebenso wie fundamentale Zusammenhänge. Doch seit Kurzem scheint die Stunde der Behavioral Finance wieder gekommen. Die Psychologie der Anleger treibt die Kurse erneut.

An den Bewegungen der Aktienindizes seit Mitte Dezember lässt sich das sehr schön zeigen. Die umlaufende Liquidität und die Hoffnung der Anleger auf eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung trieben die Märkte auf immer neue Höchststände. Die Wirren der Finanzkrise waren vergessen; auch das neue Jahr begann so positiv wie selten zuvor. Das ließ die Risikofurcht vieler Anleger schmelzen wie frischen Schnee im Frühjahr – abzulesen an positiven Berichten in den Medien, gestiegenen Aktieninvestitionsgraden und einer einbrechenden Nachfrage nach Sicherungsinstrumenten wie etwa Put-Optionen. Auch Sentimentindikatoren spiegelten die aufkeimende Hoffnung wider, vor allem jene zur kurzfristigen Einschätzung des Marktes.

Doch dann kam der Frost. Seit Mitte Januar sind die Aktienkurse um mehr als zehn Prozent gesunken. Die zwischenzeitlichen Kursgewinne, gerechnet von Jahresbeginn an, sind zu Verlusten geworden. In der Vergangenheit war solch ein Einbruch häufig eine gute Gelegenheit, noch einmal günstig in den Markt einzusteigen: Die niedrigen Kurse wurden zu Nachkäufen genutzt, die bald wieder Kursgewinne brachten. Ob das auch jetzt der Fall sein wird? 

Das hängt vor allem davon ab, wie sehr die Jubelstimmung der Anleger durch die Kursverluste beeinträchtigt wird. Je schneller jetzt Pessimismus die Hoffnung verdrängt, je ausgeprägter die Furcht vor weiteren Verlusten ist, desto größer ist die Chance für dauerhafte Kursgewinne, so paradox das klingen mag. Schließlich bewegen sich die Märkte meist in die Richtung, die von den meisten Akteuren gerade nicht erwartet wird.