Angesichts des abebbenden Interesses in der Eurozone an griechischen Staatsanleihen sucht die Regierung in Athen ihr Heil in Nordamerika: Ende April soll in den USA eine milliardenschwere Anleihe aufgelegt werden, um mit den Erlösen Verpflichtungen im Mai zu refinanzieren, berichtet die britische Financial Times. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou werde nach dem 20. April in die USA reisen und bei interessierten Anlegern sein Land erstmals als Schwellenland präsentieren. Bislang hat Griechenland in der Finanzkrise nur Euro-Anleihen begeben.

Analysten halten den Schritt für einen interessanten und klugen Schachzug. Denn damit spricht Athen einen neuen Kundenkreis an: Investoren, die sich im Emerging-Markets-Segment engagieren – in aufstrebenden Wachstumsmärkten. Zuletzt konnte Griechenland am Kapitalmarkt deutlich weniger erlösen als erhofft: Die Aufstockung einer Anleihe erbrachte vorige Woche nur 390 Millionen Euro, erwartet waren bis zu einer Milliarde Euro.

Im neuen Marktsegment könnte sich das ändern: Die Investoren achten dort in erster Linie auf eine hohe Verzinsung und sind bereit, dafür auch ein höheres Risiko einzugehen. Gerade bei den Zinsen kann sich Griechenland im Vergleich etwa zu Brasilien oder Mexiko sehen lassen, wie die FT vorrechnet: Die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen aus Griechenland liegen bei 6,5 Prozent, während Brasilien und Mexiko auf vergleichbare Papiere momentan nur 4,9 beziehungsweise 4,8 Prozent zahlen.

"Positiv ist, dass aus Griechenland zu hören ist, der April sei gesichert", sagt Marktanalyst David Schnautz von der Commerzbank ZEIT ONLINE. "Das sollte die Investoren überzeugen zu zeichnen." Er räumt – wie andere Experten – der Emission gute Erfolgschancen ein. "Griechenland sichert sich damit einen Zugang zu günstigeren Kreditbedingungen." Allerdings zeigt sich Schnautz überrascht über das erwähnte Volumen der geplanten Dollar-Anleihe: Zwischen fünf und zehn Milliarden Dollar will Athen erlösen. Diese Summe erscheint dem Commerzbank-Strategen angesichts der Größe Griechenlands als "außergewöhnlich hoch" und "zu ambitioniert". "Es ist eher vorstellbar, dass Griechenland zunächst einmal eine Dollar-Anleihe in geringerem Umfang auflegt, um später eventuell eine zweite nachzuschieben."