Noch vor wenigen Wochen hieß es, der Euro stehe vor dem Aus . Die Schuldenkrise im Süden Europas sei der Anfang vom Ende der Währungsgemeinschaft. Und jetzt? Der Euro hat aufgeholt, er liegt über 1,36 Dollar und damit auf dem höchsten Stand seit April. Aber nicht weil Europa so glänzend dasteht; mit Irland ist sogar ein weiterer Krisenherd dazugekommen. Doch der Dollar ist noch stärker unter Druck geraten . Der Markt "bestrafe die Gelddrucker", sagt Calvin Tse, Devisenstratege von Morgan Stanley. Der Dollar-Index, der die Kursbewegung zu den Devisen der sechs wichtigsten Handelspartner der USA abbildet, fiel auf ein Acht-Monats-Tief.

Für die Schwäche des Dollars gibt es mehrere Gründe. Die Hauptrolle spielt dabei die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) und ihre laxe Geldpolitik. "Quantitative Easing" heißt das Werkzeug, mit dem Notenbankchef Ben Bernanke seit Ausbruch der Finanzkrise herumhantiert. Es bedeutet nichts anderes, als dass die Fed mit frisch gedruckten Dollar Staatsanleihen aufkauft und so zusätzlich Liquidität in die Finanzmärkte pumpt. Mit jedem Dollar, den die Notenbanker in den Geldkreislauf bringen, verlieren die Noten, die schon im Umlauf sind, an Wert.

Auf der letzten Notenbanksitzung Mitte September hat Bernanke bereits angedeutet, mit der wundersamen Geldvermehrung noch eine ganze Weile weitermachen zu wollen. Schon bald könnte die US- Notenbank die Geldpolitik weiter lockern, um die Konjunktur zu stützen. Der Präsident der Federal Reserve Bank Atlanta, Dennis Lockhart, erklärte, die Debatte über eine neue Runde von Wertpapierkäufen durch die Notenbank werde sich bald "intensivieren".

Hinzu kommt: Geld ist derzeit praktisch zum Nulltarif zu haben . Nachdem vor zwei Jahren die Investmentbank Lehman Brothers zusammengebrochen war , senkte die Fed ihren Leitzinssatz auf faktisch null Prozent, um die Wall Street vor dem Untergang zu bewahren. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Politik des billigen Geldes, deren Anfänge bis in die 1990er-Jahre zurückreichen. Damals hieß der oberste Währungshüter noch Alan Greenspan. Seine großzügigen Geschenke an die Finanzbranche führten letztlich zur Dotcom- und zur Immobilienblase.

Wilhelm Schorn, Währungsexperte von Allianz Global Investors, geht davon aus, dass dem Dollar eine lange Schwächephase bevorsteht. "Nicht zuletzt, weil Inflationsbekämpfung nur schwach in der Geldpolitik der Fed verankert ist", sagt Schorn. Dabei hat der Dollar in den vergangenen Jahren schon deutlich an Wert verloren – gegenüber fast allen wichtigen Währungen. Das zeigt ein Blick auf die Zehnjahres-Charts. Rund 33 Prozent hat der Dollar seit dem Jahr 2000 gegenüber dem Euro abgewertet, 22 Prozent zum Yen, 31 Prozent gegenüber dem kanadischen Dollar, mehr als 40 Prozent zum Schweizer Franken.

Die Schwäche des Dollars ist für den Rest der Welt ein Problem. Die Nationen, deren Währungen aufwerten, sind weniger konkurrenzfähig - was diese nicht hinnehmen wollen. Experten fürchten einen Abwertungswettlauf der großen Handelsnationen. Zuletzt hatte die japanische Notenbank auf dem Devisenmarkt massiv US-Dollar gekauft, um den Yen zu schwächen und sich so einen Wettbewerbsvorteil für ihre Exportwirtschaft zu verschaffen.

Auch die Schweizer haben bereits angedeutet, einzuschreiten, sollte ihr Franken weiter an Wert gewinnen. "Man könnte derzeit den Eindruck bekommen, dass es für eine Volkswirtschaft kaum etwas Besseres gibt, als eine abwertende Währung", schreibt die Commerzbank in einer aktuellen Studie . Guido Mantega, der brasilianische Finanzminister, hatte bereits am Montag für Aufsehen gesorgt, als er sagte, die Welt befinde sich in einem Währungskrieg.

Besonders groß sind Meinungsverschiedenheiten zwischen Amerikanern und Chinesen. Seit Jahren werfen die USA den Parteibossen in Peking vor, ihren Yuan künstlich niedrig zu halten, um sich so einen Wettbewerbsvorteil zu erschleichen. Zuletzt haben die Amerikaner den politischen Druck auf Peking erhöht, den Yuan aufzuwerten. Bislang allerdings ohne größeren Erfolg. "Wir sind wie viele andere Handelspartner Chinas besorgt, dass die Geschwindigkeit der Aufwertung zu langsam und das Ausmaß zu gering ausgefallen ist", sagte US-Finanzminister Timothy Geithner vergangene Woche.

Die Commerzbanker warnen vor den Gefahren eines anhaltenden Währungsstreites. "Machen alle mit, droht ein weltweiter Abwertungswettlauf, der nicht nur niemandem mehr Exportvorteile verschafft, sondern über die Verwerfungen am Devisenmarkt die gesamte Weltwirtschaft dämpfen könnte", heißt es in der Studie weiter.