Wenn im Oktober in Indien die Hochzeitssaison beginnt, werden die Männer tief in die Tasche greifen müssen. Denn der Goldschmuck, mit dem die Bräute traditionell üppig behängt werden, wird in diesem Jahr sehr teuer werden. In der vergangenen Woche stieg der Goldpreis auf ein Rekordhoch von 1300 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm).

Anfang des Jahrtausends kostete die Feinunze nur 250 Dollar. Dann kamen die Krisen: Erst platzte die New-Economy-Blase, dann lähmten die Anschläge vom 11. September 2001 jahrelang die Wirtschaft, schließlich ließ die US-Immobilienkrise beinahe das Finanzsystem kollabieren. In diesem Jahr machte die Griechenland-Krise den Anlegern bewusst, dass die Staatsverschuldung weltweit auf ein gefährliches Rekordniveau angewachsen ist. All das ließ den Goldpreis steigen.

In den Bergen Mosambiks graben Tausende Arbeiter nach Gold. Eine Fotostrecke © Goran Tomasevic/Reuters

Für Christian Liste, Leiter der Berliner Niederlassung der Privatbank Delbrück Bethmann Maffei ist das "Phänomen Gold" ein rein psychologischer Effekt. Fast alle seine Kunden haben das Edelmetall in ihrem Depot. "Die Leute sind verunsichert, sie haben Angst vor Inflation und dem Verfall sämtlicher Werte. Darum verlassen sie sich auf Gold, wie es auch frühere Generationen immer wieder getan haben."

Früher waren die Schmuckindustrie und die Notenbanken die größten Käufer von Gold. Heute seien es vor allem Investoren, die den Preis treiben, sagt Eugen Weinberg, Analyst bei der Commerzbank. Nicht nur Privatanleger kaufen in Krisenzeiten Gold, auch die Investmentfirma von Börsenlegende George Soros besitzt Goldansprüche im Wert von 661 Millionen Dollar. Und auch die Notenbanken erweitern ihre Goldreserven ständig.

Wenn man alles Gold der Welt einschmelzen und zu einem Würfel zusammenfügen würde, wäre jede Seite dieses Würfels 20 Meter lang. Das ist nicht einmal so groß wie ein Tennisplatz. Experten schätzen, dass cirka 160.000 Tonnen des Edelmetalls im Umlauf sind. Auch wenn noch weitere 26.000 in der Erde stecken sollen, ist klar: Die Menge ist begrenzt, das macht das Metall so wertvoll.

Christian Liste hält Gold dennoch höchstens als Beimischung im Depot für sinnvoll. Denn das Edelmetall bringt keinerlei Zinsen. Wer Geld mit Gold verdienen will, muss auf steigende Preise wetten. Und das ist reine Spekulation.

"Ob der Preis noch weiter steigt, weiß niemand", sagt Karin Bauer, Geldanlagespezialistin bei der Stiftung Warentest. "Ein Einstieg zum Tiefpunkt ist es auf keinen Fall." Sie rät, höchstens zehn Prozent des Vermögens in Gold anzulegen: "Wer Edelmetalle kauft, spekuliert auf den Preis. Eine sichere Geldanlage ist das nicht." Commerzbank-Analyst Weinberg sagt: "Das Interesse scheint mir kurzfristig übertrieben." Für die nächsten Wochen schließt er einen Kursrückgang nicht aus. In einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten allerdings sieht er den Goldpreis bei 1400 Dollar pro Feinunze. "Die Regierungen werten gerade alle ihre Währungen ab, um wettbewerbsfähig zu sein", sagt Weinberg. Die Geldmenge werde immer größer. "Wenn die Zentralbanken nicht gegensteuern, droht Inflationsgefahr."