Die internationalen Märkte haben das neue Hilfsprogramm der Euro-Staaten für Griechenland erleichtert aufgenommen. An allen wichtigen Börsen kletterten die Kurse. Vor allem Finanzwerte profitierten. Der deutsche Aktienmarkt begann den Freitag mit Kursgewinnen. Der deutsche Leitindex Dax, der schon am Vortag mit einem kleinen Gewinn aus dem Handel gegangen war, stieg leicht an. 

Nachdem am Donnerstag erste Details des Hilfspakets bekannt geworden waren, waren vor allem Bankaktien im Kurs gestiegen. Der Bankenindex Griechenlands legte um fast acht Prozent zu, der Stoxx-Index aller europäischen Bankwerte um vier Prozent. In Deutschland gewannen die Papiere der Commerzbank fast zehn Prozent an Wert. Der Aktienkurs der Deutschen Bank stieg um gut drei Prozent. Der Eurokurs stieg auf bis zu 1,44 Dollar, und die Risikoaufschläge für Anleihen angeschlagener Euro-Länder sanken.

Auch in New York stiegen die Kurse. Die Hoffnung auf die Ergebnisse des Euro-Gipfels lockte die Anleger an die Börse. Eine umfassende Lösung habe zwar niemand erwartet, hieß es. Aber das Treffen habe die Krise in den Hintergrund rücken lassen, sagte der Analyst Tom Wirth von Chemung Canal Trust. Kurzfristig sei das gut für den Aktienmarkt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte kletterte um 1,2 Prozent auf 12.724 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 1,4 Prozent, der Index der Technologiebörse Nasdaq um 0,7 Prozent.

An der Tokioter Börse war die Stimmung am Freitag freundlich. Besonders Bankentitel stiegen deutlich im Kurs. Das neue Hilfspaket für Griechenland stützte auch die Aktien von Unternehmen wie Canon und Nikon, für die die Gemeinschaftswährung eine wichtige Rolle spielt. Der Nikkei-Index stieg bis zur Handelsmitte um 86,17 Punkte auf 10.096,56 Punkte.

Amerikanische Analysten bewerteten das neue Rettungspaket positiv, sehen jedoch die europäische Schuldenkrise nicht als überwunden an. "Es müssen noch viele Details ausgearbeitet werden", sagte Richard Franulovich von Westpac zu dem Beschluss der 17 Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone in Brüssel. Die unmittelbaren Probleme hätte die Euro-Gruppe zwar jetzt in den Griff bekommen, "das langfristige Problem ist damit allerdings nicht gelöst".

"Es wird eine Ansteckung verhindern"

Kathy Lien von GFT sprach von einem Schritt in die richtige Richtung. "Die Diskussion über den Europäischen Währungsfonds ist von sehr großer Bedeutung, weil so im Prinzip die weltweite Finanzarchitektur verändert werden könnte", sagte Lien. Ein solcher Mechanismus könnte zudem auf regionaler Ebene die Europäische Union stützen.

Kritischer zeigte sich dagegen Win Thin von Brown Brothers Harriman. Mit dem neuen Paket werde nur "die Dose die Straße heruntergetreten", sagte er in einer englischen Redewendung für jemanden, der ein Problem vor sich herschiebt. Thin sagte, die Krisenstaaten wie Griechenland "brauchen eine sehr harte Umstrukturierung". Das Problem sei nicht gelöst: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Situation in drei Monaten oder in einer gewissen Zeit wieder auftritt."

Bofinger: Schulden hätten stärker reduziert werden müssen

In Australien erklärten Analysten, die Maßnahmen lösten die grundsätzlichen Probleme nicht. "Es ist vermutlich keine langfristige Lösung, aber es schafft etwas Klarheit", sagte Grant Turley von ANZ. "Wenn alles gesagt und getan ist, befasst es sich nicht mit den wichtigsten Fragen, aber es wird eine Ansteckung verhindern."

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger lobte die von den Euro-Staaten vereinbarte Senkung der Zinsen für Griechenland. "Das ist für mich der entscheidende Punkt: Wenn öffentliche und private Gläubiger Griechenland die Kredite für Zinsen von nur noch 3,5 Prozent geben, ist das ein großer Fortschritt", sagte Bofinger der Rheinischen Post.

Auch die Regelung, dass der Euro-Rettungsfonds notfalls griechische Anleihen am Markt aufkaufen kann, sei hilfreich. Kritik übte Bofinger dagegen an der aus seiner Sicht zu geringen Entschuldung des Landes. "Die Schuldenlast hätte um 50 Prozent reduziert werden müssen, damit das Land auf die Beine kommen und an die Kapitalmärkte zurückkehren kann", sagte Bofinger.