Der Prozess um Aktienkursmanipulationen vor dem Landgericht München ist überraschend schnell zu Ende gegangen: Der Aktionärsvertreter Markus Straub wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Straub und ein mitangeklagter Herausgeber von Börsenbriefen hätten sich mit der Staatsanwaltschaft verständigt und ein Geständnis abgelegt, teilte die Münchner Justiz am Dienstag mit. Das Urteil war ursprünglich erst in den nächsten Monaten erwartet worden.

Zwar bekam Straub eine Freiheitsstrafe sowie eine Geldbuße von 36.000 Euro. Da er jedoch seit etwa eineinhalb Jahre in Untersuchungshaft saß, wurde die Reststrafe gegen ihn aufgehoben.

Der Mitangeklagte erhielt wegen Verstößen in 47 Fällen eine Haftstrafe von drei Jahren plus eine Geldbuße von 27.000 Euro. Außerdem werden jeweils erzielte Gewinne abgeschöpft. Auch er kam wegen der Untersuchungshaft frei.

Der größte Schlag gegen Kursmanipulation in Deutschland

Straub war von 1999 bis zu seinem Rücktritt 2008 im Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und hat sich als Redner auf zahlreichen Hauptversammlungen für die Interessen der Aktionäre eingesetzt. Zusammen mit dem Börsenbrief-Herausgeber stand er seit zwei Monaten vor Gericht, weil beide Aktienkurse von Unternehmen durch gezielt gestreute Informationen beeinflusst haben sollen, um selbst damit Geld zu verdienen. Der Staatsanwaltschaft zufolge hatten die Männer in den meisten Fällen in Werbekampagnen und Börsenbriefen Aktien zum Kauf empfohlen, die sie selbst besaßen – ohne die Anleger darauf hinzuweisen. Mit den Berichten lösten sie der Anklage zufolge einen Kursanstieg aus und verkauften die Papiere später mit hohem Gewinn.

Nach Überzeugung der Vorsitzenden Richterin Jutta Zeilinger haben die beiden Männer einen hohen Schaden angerichtet. Allerdings wertete die Richterin es als strafmildernd, dass beide Angeklagte am Ende Reue gezeigt hätten und die Taten schon lange zurückliegen. Zum Prozessauftakt hatten die Angeklagten noch ihre Unschuld beteuert und der Staatsanwaltschaft schwere Fehler vorgeworfen.

Die Ermittlungen gegen die zwei Angeklagten und weitere Mitglieder einer Clique aus Aktionärsvertretern und Finanzautoren wurden von den Behörden als größter Schlag gegen organisierte Kursmanipulationen in Deutschland bezeichnet. Die anderen Verfahren des sogenannten SdK-Komplexes endeten mit Bewährungsstrafen und geringeren Geldbußen als jetzt.

Zuletzt hatte die Münchner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen ausgeweitet. Es gibt mittlerweile mehrere Dutzend Beschuldigte und Parallelen zu den bereits verhandelten Fällen. Zusätzlich zu Kursmanipulation und Insiderhandel geht es jetzt auch um Betrug und Untreue. Anklagen werden aber kurzfristig nicht erwartet.