Der überraschend enttäuschende Börsenstart von Facebook wird juristische Folgen haben und auch den verantwortlichen Banken könnten Konsequenzen drohen. Nach Angaben von Anlegern und US-Medien haben die den Börsengang begleitenden Banken unmittelbar vor der Erstnotiz ihre Umsatzprognosen für Facebook gesenkt. Grund dafür seien die Probleme des stark von Werbeeinnahmen abhängigen Unternehmens mit dem Mobilgeschäft, auf denen sich derzeit mit Anzeigen deutlich schwerer Geld verdienen lässt.

Der New York Times zufolge informierte Facebook die den Börsengang (IPO) begleitenden Banken wenige Tage vor dem Start über sinkende Umsatzerwartung für das zweite Quartal. Daraufhin senkte auch Morgan Stanley die Umsatzprognose. "Das passierte noch während der Werbetour – so was habe ich in den vergangenen zehn Jahren nicht erlebt", sagte ein Insider bei einer Fondsgesellschaft, die von Morgan Stanley über die korrigierte Vorhersage informiert worden war. Auch JPMorgan und Goldman Sachs hätten ihre Prognosen gesenkt. Experten zufolge haben die Banken damit Anleger verschreckt und zu dem schwachen Börsendebüt am Freitag beigetragen.

Neben der US-Börsenaufsicht SEC kündigte auch der Vorsitzende der Regulierungsbehörde Finra, Richard Ketchum, an, die Vorfälle um den IPO zu prüfen. Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre dies ein Fall für die Regulierungsbehörden, sagte Ketchum. Auch der Bundesstaat Massachusetts kündigte eine Untersuchung an.

Morgan Stanley unter Druck

Die Investmentbank Morgan Stanley hat als sogenannter "Lead Underwriter" die Gruppe der Finanzfirmen angeführt, die über Monate den Börsengang vorbereiteten und die Aktien an die Anleger verkauften – auch diesbezüglich gab es Kritik. "Morgan Stanley hat zu viele Aktien ausgegeben, und die Preisfindung war unter aller Sau", twitterte Jack Welch , der Ex-Chef des US-Konglomerats General Electric. "Sie tragen die Schuld am Facebook-Debakel."

Morgan Stanley teilte mit, man habe bei Facebook die gleichen Abläufe beibehalten wie bei jedem anderen Börsengang auch. Dabei seien auch alle Vorschriften eingehalten worden. Die Aktie des Unternehmens fiel im nachbörslichen Handel um 1,4 Prozent.

Anleger verklagt Nasdaq

Die Facebook-Aktie hatte am dritten Handelstag in Folge verloren und war um annähernd 9 Prozent auf 31 Dollar gefallen. Ein Anleger, der zum Ausgabepreis von 38 Dollar gekauft hatte, verlor somit zum Ende des Handels am Dienstag 18 Prozent seines Geldes. Nach Daten des Anbieters Dealogic, die das Wall Street Journal veröffentlichte, ist kein anderer US-Börsengang im Milliardenbereich seit 2007 so schlecht gelaufen.

Ein Nachspiel haben auch die technischen Probleme beim Börsengang für die US-Börse Nasdaq: Ein Investor aus dem US-Bundesstaat Maryland verklagte den Börsenbetreiber wegen Nachlässigkeit. Phillip Goldberg beantragte in seiner Klageschrift vor dem Bundesbezirksgericht in Manhattan den Status einer Sammelklage im Namen aller Investoren, die wegen der technischen Probleme am 18. Mai Geld verloren hätten. Die Nasdaq räumte bereits ein, bei dem IPO von Facebook Fehler gemacht zu haben.