Börsennotierte Unternehmen reagieren auf die Forderungen von ökologisch und sozial engagierten Anlegern und passen ihre Geschäftsstrategie entsprechend an. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von oekom research, einer Rating-Agentur, die im Auftrag ihrer Kunden Aktienkonzerne auf Nachhaltigkeit prüft. 

Für die Untersuchung wurden 750 Großunternehmen weltweit befragt. Knapp 200 aus rund 30 Ländern und 34 verschiedenen Branchen gaben Auskunft. Die wichtigsten Ergebnisse: Zwei Drittel sagten, die Anfragen der Nachhaltigkeitsanalysten seien ausschlaggebend dafür, dass sich die Firma überhaupt mit dem Thema beschäftige. Wichtiger sei ihnen nur das Urteil der Kunden.

Ein Drittel der befragten Unternehmen sagten, dass die Forderungen der Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen ihre gesamte Geschäftsstrategie beeinflusse. Zwei Drittel gaben eine Wirkung auf die Nachhaltigkeitsstrategie an. 30 Prozent erklärten, das Abschneiden im Nachhaltigkeitsrating habe Einfluss auf die Vergütung der Führungskräfte.

"Nachhaltige Kapitalanlagen und Nachhaltigkeitsratings sind ein wichtiger Hebel, um Unternehmen zu einem verstärkten Engagement für eine nachhaltige Entwicklung zu bewegen", heißt es in dem Papier von oekom research. Allerdings – auch das zeigt die Studie – bedeutet das nicht, dass sofort Ergebnisse sichtbar werden. Häufig geht es den Firmen eher darum, zunächst Informationen einzuholen, um zu sehen, welche ökologischen und sozialen Folgen ihr Handeln überhaupt hat. 

Für Reputation und Kapital

60 der von oekom research befragten Unternehmen gaben an, wie sie auf Anfragen nach der Nachhaltigkeit ihres Geschäfts reagierten. 25 sagten, die Anfragen hätten die Erhebung von Daten sowie Umfang und Terminierung ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung beeinflusst. Immerhin 14 sagten, sich durch die Anfragen verstärkt um die ökologische oder soziale Verantwortlichkeit ihrer Zulieferer zu kümmern.

Von einer guten Bewertung versprechen sich die Konzerne eine bessere Reputation. Für fast neunzig Prozent ist es wichtig oder sogar sehr wichtig, ein gutes Nachhaltigkeitsrating zu erhalten oder in Nachhaltigkeitsindizes und -fonds aufgenommen zu werden. Sie nutzen die Ratings darüber hinaus als Trendradar und als Argument im Werben um hochqualifizierte Mitarbeiter. Rund 40 Prozent erklärten, eine gute Note im Rating erleichtere ihnen die Beschaffung von Fremdkapital.

Zwei Konzepte der nachhaltigen Geldanlage sind laut der Studie besonders wirkungsvoll: Der Best-in-class-Ansatz und das sogenannte Shareholder Engagement. Im Best-in-class-Ansatz wählen Investoren die ökologisch und sozial verantwortungsvollsten Unternehmen einer Branche für die Geldanlage aus. Das Shareholder Engagement hingegen will im direkten Dialog zwischen Investoren, Rating-Analysten und Unternehmen Verbesserungen erreichen. 

Bislang wird jedoch nur ein geringer Teil des weltweit nachhaltig angelegten Kapitals nach diesen beiden Konzepten investiert. Die Investoren nutzen ihre Einflussmöglichkeiten also nicht aus. Meist boykottierten sie einfach Unternehmen, die ihnen als unethisch oder unökologisch gelten. Insgesamt sind oekom research zufolge derzeit weltweit mehr als zehn Billionen Euro nach unterschiedlichsten Nachhaltigkeitskriterien angelegt. Das entspreche einem Marktanteil von knapp 22 Prozent.