Trotz öffentlichen Drucks auf seine rund 75.000 Anleger ziehen die Investoren gewaltige Summen an Kapital aus dem Windanlagen-Finanzierer Prokon ab. Sie kündigten sogenannte Genussrechte im Wert von 187,7 Millionen Euro, teilte das Unternehmen aus Itzehoe in Schleswig-Holstein mit. Das sind fast 13 Prozent dieses Kapitals, das nach Firmenangaben knapp 1,4 Milliarden Euro beträgt.

In einem Schreiben an die Anleger hatte Prokon am Wochenende mitgeteilt, eine Planinsolvenz lasse sich nur beim Erhalt von mindestens 95 Prozent des Genussrechtskapitals verhindern. Bei Prokon sind etwa 1.300 Arbeitsplätze durch eine Pleite gefährdet, davon knapp 500 in der Zentrale in Itzehoe. 

Die Lübecker Staatsanwaltschaft geht mehreren in den vergangenen Monaten eingegangenen Strafanzeigen gegen das Unternehmen nach. Die Prüfung, ob ein Anfangsverdacht wegen Betrugs und weiterer Wirtschaftsdelikte besteht oder nicht, werde mindestens noch einige Wochen dauern, sagte Oberstaatsanwältin Wenke Haker-Alm. Sollte es diesen Verdacht geben, würden Ermittlungen aufgenommen.

Verbraucherschützer hatten wiederholt das Geschäftsmodell von Prokon infrage gestellt und mangelnde Transparenz beklagt. Für die Genussrechte wurden einst bis zu acht Prozent Zinsen versprochen. Mit dem kurzfristig kündbaren Kapital hat Prokon langfristige Investitionen wie Windkraftanlagen finanziert. Das Unternehmen lässt Anfragen dazu unbeantwortet.