Vor einigen Wochen haben wir unsere Leser aufgerufen: Schicken Sie uns Ihre Geldfragen! Mehr als 300 User haben geschrieben. Eine Auswahl der Fragen haben wir Finanzbloggern und anderen Anlageexperten vorgelegt – hier kommen die Antworten.

Sie haben weitere Fragen? Schreiben Sie uns hier, wir freuen uns darauf. 

1. Schneller tilgen?

Frage von "ChristianBW": Sollte ich eine Kapitallebensversicherung kündigen oder verkaufen, um die Tilgung meines Immobilienkredits zu beschleunigen?

Antwort von Hermann-Josef Tenhagen: Generell gilt: Schuldenabbau ist die beste Form der Geldanlage. Denn der Zinssatz auf Kredite ist meist höher als die Rendite, die Sie auf Tagesgeld- oder Festgeldkonten erhalten. Wer also sein Sparkonto plündert und damit den Baukredit tilgt, spart sich eine Menge Zinsen. Das bringt viel, und diese Rendite hat man sogar steuerfrei. 

Bei einer laufenden Immobilienfinanzierung dürfen Kunden aber nur so viel extra tilgen, wie ihr Sondertilgungsrecht zulässt. Oft sind das nur fünf Prozent der Kreditsumme. Für höhere Tilgungen verlangt die Bank dann Strafzahlungen.

Knifflig wird die Rechnung bei alten Lebens- und Rentenversicherungsverträgen mit über drei Prozent garantierter Verzinsung und Baufinanzierungen. Als Kunde müssen Sie ausrechnen, ob die garantierte Verzinsung nach Kosten höher oder niedriger ist als der Effektivzins auf Ihr Darlehen.  


Das kann bei einer relativ neuen, preiswerten Baufinanzierung durchaus so sein. Ist die Rendite ihres Versicherungsvertrags höher, sollten Sie nach Möglichkeit die Versicherung bis zum Schluss durchhalten. Ansonsten ist es ratsam, das Darlehen zu tilgen, wenn Sie können.

Noch ein Tipp: Wenn das Darlehen zur Verlängerung ansteht oder Sie nach zehn Jahren einfach kündigen können, sollten Sie das ganze Geld aus Ihrer Versicherung zum Tilgen einsetzen. Dann entfallen die Strafzahlungen. Beim Rechnen hilft Ihnen der Excel-Rechner von Finanztip.

2. Unterschätzen wir Nebenkosten?

Frage von Axel Sprenger: Ich habe Geld in Fonds angelegt und staunte kürzlich nicht schlecht über eine Mitteilung meiner Bank, dass die Anlage zwar in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt drei Prozent gebracht hat, mein Anlagevermögen sich aber gar nicht geändert hat. Warum?

Antwort von Marc O. Schmidt: Ja, Fondsanleger unterschätzen leider permanent die anfallenden Nebenkosten wie den Ausgabeaufschlag und die jährliche Managementgebühr. Da klassische Aktien- und Rentenfonds solche Gebühren oft geschickt in den Bedingungen vor den Augen der Anleger verbergen können, fällt deren tatsächliche Höhe erst mit der Zeit auf, so wie in Ihrem Fall.

Generell lohnt sich die Arbeit von Fondsmanagern für die Anleger aufgrund der Kosten in den wenigsten Fällen. Um stattdessen echte Rendite zu erzielen, bieten sich für passive Anleger sogenannte ETFs (Index-Fonds) an. Deren Zusammensetzung und Wert orientieren sich direkt an einem Index wie dem Dax oder dem amerikanischen S&P 500. Die jährlichen Kosten sind mit 0,1 bis 0,5 Prozent minimal. Mit einem Dax-ETF hätten Sie Ihr Vermögen um deutlich mehr als die genannten drei Prozent gesteigert. Das Anlagevermögen wäre tatsächlich gestiegen. Da Bankberater aber an ETFs nichts verdienen, bieten sie diese selten an. 

Wenn Sie aktiv Ihre Geldanlage angehen möchten und etwas mehr Zeit investieren können, sollten Sie über direkte Aktieninvestments nachdenken. Dafür bieten sich aus Sicherheitsgründen vor allem Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich an. Diese verfügen über ein erprobtes und stabiles Geschäftsmodell sowie solide Dividendenrenditen.

3. Sind Aktien überhaupt moralisch?

Frage von "TimonJM": Ich habe vor etwa einem halben Jahr in einen Aktienfonds investiert, bisher wächst dessen Wert schneller als die Realwirtschaft. Da ich besorgt bin, dass – ganz marxistisch betrachtet – das Kapital gegenüber der Arbeit immer mehr die Überhand gewinnt, frage ich mich: Ist es überhaupt moralisch vertretbar, in Aktien zu investieren?

Antwort von David Iselin: Freuen Sie sich über die Rendite, die Sie sicher auch der Geldschwemme der Zentralbanken verdanken. Ob Sie auch in den kommenden Monaten Kursgewinne von zehn Prozent erzielen, ist zumindest fragwürdig. 

Ansonsten kann ich Sie beruhigen: Das Verhältnis vom Produktionsfaktor Arbeit zum Faktor Kapital ist viel stärker durch die Automatisierung vieler Tätigkeiten bedroht als durch Ihre Investition. Mit Ihrer Investition hingegen, so meine Hoffnung, können Sie die Einkommensmobilität fördern. Wenn Sie Ihr Geld in eine produktive Firma stecken, kann sie Arbeitsplätze schaffen und höhere Löhne bezahlen. Dadurch würde sich die Balance zwischen Arbeit und Kapital zumindest nicht verschlechtern. Das Schöne an der Investition ist, dass es Ihnen frei überlassen ist, in welche Firma sie investieren möchten.