Es kommt nicht oft vor, dass sich eine Währung binnen weniger Minuten um bis zu 30 Prozent verteuert. Am 15. Januar, also vor genau drei Monaten, ist genau das in der Schweiz passiert. Der "Frankenschock" erschütterte das Land. Die Schweizer Nationalbank hatte entschieden, die Bindung an den Euro aufzugeben. Die Stabilität und Sicherheit, welche die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit der Garantie des Mindestkurses von 1,20 Franken pro Euro geboten hatte, war dahin.

Ein Franken entsprach zeitweise genau einem Euro. Auch gegenüber anderen wichtigen Währungen gewann der Franken deutlich an Wert. Unternehmerische Strategien, politische Programme, Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung – alles war auf einen Schlag nur noch Makulatur. Die Börsen reagierten entsprechend: Der Leitindex, der Swiss Market Index, fiel um 13,7 Prozent. Wirtschaftsexperten erwarteten eine Rezession. Das ganze Land war in heller Aufregung. Der Frankenschock, das schien sicher, würde dem Land einen Hieb versetzen, von dem es sich nur langsam wieder würde erholen können.

Haben sich die düsteren Prognosen bewahrheitet? Die ganzen großen Schlagzeilen zum starken Franken sind aus den großen Zeitungen verschwunden. Auf der politischen Agenda ist er aber immer noch: Am Mittwoch hat der Bundesrat an seiner wöchentlichen Sitzung über die Auswirkungen beraten und ist zum Schluss gekommen, dass es derzeit kein Konjunkturprogramm braucht.

Kein Wunder, haben doch gerade führende Konjunkturforscher ihre Wachstumserwartungen wieder angehoben. Für das laufende Jahr wird jetzt wieder ein Wirtschaftswachstum von rund zwei Prozent erwartet. Im Vergleich zur Eurozone ist das sehr solide, ja fast schon paradiesisch. Die Arbeitslosenquote ist konstant niedrig bei 3,6 Prozent, die Einwanderung konstant hoch – man könnte meinen, es sei nichts geschehen. Und sogar der Tourismus, von dem alle befürchteten, dass er am meisten leiden werde, meldete für den Februar steigende Gästezahlen.

Doch der Frankenschock ist ein schleichend wirkendes Gift. Etliche Firmen haben die Wochenarbeitszeit erhöht, ohne gleichzeitig auch die Löhne anzupassen. Die großen Zeitarbeitsfirmen melden stark sinkende Umsätze. Das deutet zumindest darauf hin, dass die Unternehmen mit der Einstellung von Personal zurückhaltender geworden sind. Der Shopping-Tourismus ins benachbarte Ausland hat wieder zugenommen und der Schweizer Einzelhandel ist bemüht, importierte Waren möglichst günstig anzubieten.

Was zudem niemand weiß: Wie viele Investitionsvorhaben haben Unternehmen aufgegeben oder statt in der Schweiz im nahen Ausland durchgeführt? Auch in der Tourismusbranche ist die Nervosität immer noch virulent: Werden die Europäer ihren Sommer in der Schweiz verbringen oder gleich durch den Gotthardtunnel weiter Richtung Italien fahren?