Die Renditen von Staatsanleihen sind für immer mehr europäische Länder negativ. Das heißt: Viele Staaten bekommen für neue Kredite von den Banken sogar noch Geld oben drauf. Die Schweiz, für viele ein Hort der Stabilität in Europa, muss sogar für acht- bis zehnjährige Anleihen keine Zinsen mehr zahlen, wie aus der Grafik hervorgeht, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat.

Auch Deutschland bekommt für kurz- und mittelfristig laufende Wertpapiere noch Geld von den Banken. Deutschland gehört damit als Mitglied der Eurozone zu den größten Gewinnern der Krise. Nach Berechnungen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) seit Krisenbeginn netto rund 60 Milliarden Euro an Zinszahlungen eingespart. Aber auch Frankreich muss für Anleihen, die bis zu vier Jahre laufen, keine Zinsen mehr zahlen.

Zuletzt war sogar die Rendite von sechsmonatigen spanischen Papieren negativ. Für zehnjährige Staatsanleihen Spaniens ist die Rendite von 7,5 Prozent im Jahr 2012 auf nunmehr etwas über einen Prozent gesunken.

Der Grund für diese Entwicklung liegt in Frankfurt am Main: Bereits Mitte 2012 verkündete der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, "alles" für den Erhalt der Gemeinschaftswährung zu tun. Die Ankündigung führte dazu, dass die überschießenden Zinsen für Staatsanleihen der südeuropäischen Krisenstaaten deutlich gesunken sind. Zudem wurden die Leitzinsen von der EZB auf nahe Null gesenkt.

Ende Januar verkündete die Zentralbank nun ihr neues Ankaufprogramm: Für 60 Milliarden Euro erwirbt sie pro Monat Staatsanleihen über den Sekundärmarkt. Das Ziel: Sie will die Gefahr einer Deflation – einer Situation dauerhaft sinkender Preise – verhindern. Zudem soll die Kreditvergabe angekurbelt werden, um so den immer noch labilen Aufschwung in der Währungsunion zu stützen.

Der Nebeneffekt des Programms: Es finden sich immer weniger Anlageformen, die eine einträgliche Verzinsung bieten. Die DZ Bank hat den Verlust nun ausgerechnet: In den vergangenen fünf Jahren haben allein die Deutschen 190 Milliarden Euro an Zinsen auf ihr Erspartes eingebüßt. Demgegenüber stehen jedoch laut DZ Bank 78 Milliarden Euro, die an Kreditzinsen eingespart wurden. Ausgeglichen werden kann der Verlust dadurch aber nicht.

Eine Besserung der Lage für deutsche Sparer ist auch nicht in Sicht. Nach Ansicht des IfW wird die Niedrigzinsphase noch mindestens zwei Jahre anhalten, schreibt der Tagesspiegel. Eine Rückkehr zu "Normalzinsen" sei sogar erst in fünf bis acht Jahren zu erwarten.