Frage von "Goldeselchen": Vor etwas mehr als zehn Jahren habe ich eine Riester-Rentenversicherung abgeschlossen. Die Zulagen und Steuervorteile nehme ich in Anspruch, aber ich habe keine Kinder. Lohnt sie sich trotzdem?

Antwort von Hermann-Josef Tenhagen: Ja, Ihre Riester-Rentenversicherung lohnt sich wahrscheinlich – mittlerweile. Rentenversicherungen haben in den ersten fünf Jahren hohe Abschlusskosten. Die haben Sie mittlerweile aber abgezahlt und hinter sich. Zudem hat Ihr zehn Jahre alter Vertrag noch einen Garantiezins von 2,75 Prozent – so viel bekommen Sie heutzutage nirgends mehr garantiert. Allerdings werden die Überschüsse, die Ihnen der Versicherer über den garantierten Wert hinaus in Aussicht stellt, mit der Zeit wahrscheinlich schrumpfen. Wenn Sie vernünftig verdienen und dadurch mehrere Hundert Euro Steuervorteil zusätzlich zur Zulage erzielen, dann sollten diese Vorteile den Nachteil aufwiegen, dass Sie die Riester-Rente im Alter voll versteuern müssen. Erhöhen sollten Sie Ihren Vertrag aber nicht, denn dann fallen neue Abschlusskosten an.

Frage von Civitus: Als Kleinanleger frage ich mich, ob ich noch von der Entwicklung von Sachwerten profitieren kann, wenn die Börse einem Casino gleicht. Angesichts der enormen Schwankungen an der Börse frage ich mich: Welchen volkswirtschaftlichen Nutzen hat überhaupt der Sekunden-Handel vor Wertpapieren und Devisen und könnte eine Börsenumsatz- beziehungsweise Finanzmarkttransaktionssteuer nicht für erhebliche Glättung der Entwicklung sorgen?

Antwort von David Iselin: Wenn Sie, ähnlich wie die meisten Menschen, davon ausgehen, dass über die Zeit die Gesamtwirtschaft wächst, dann können sie damit rechnen, dass ihre Sachwerte längerfristig einen Gewinn abwerfen. Das verlangt allerdings ein gewisses Vertrauen in eine prosperierende Zukunft. Die Schwankungen der Börse, die irrational sein können, sollten sich bei einem steigenden Kurs nach unten und oben die Waage halten.

Dass eine Börsenumsatz- oder Finanzmarkttransaktionssteuer die Volatilität vermindern könnte, ist vorstellbar. Hier stellt sich allerdings die Frage, wer die daraus erzielten Einnahmen erhalten würde. Klarerweise der Staat, aber wie verteilt er diese um?

Zudem zeigt ein Blick auf den VDax, den Volatilitätsindex des deutschen Aktienindex Dax, dass die Volatilität derzeit nur unerheblich höher liegt als vor zehn Jahren. Das derzeitig vorherrschende Gefühl von volatilen Märkten stimmt also nicht mit der Empirie überein.

Frage von C. Müller: Letztes Jahr habe ich angefangen, einen Aktienfonds zu besparen und habe eine kleine Summe in einem Mischfonds angelegt. Nun laufen diese Anlagen hervorragend und ich überlege, noch einen weiteren Aktienfonds zu besparen, oder gleich eine Summe fest anzulegen. Unschlüssig bin ich mir allerdings, ob es jetzt sinnvoll ist, noch einzusteigen, oder ob das Risiko zu hoch ist und ich erst auf eine Kurskorrektur an den Aktienmärkten warten sollte. Stehen die Zeichen eher auf neue Rekorde oder Rückgang?

Antwort von Albert Warnecke: Wer behauptet, abschätzen zu können, wie sich Kurse in den nächsten Monaten entwickeln werden, der lügt. Aber die aktuelle Kursentwicklung kann Ihnen egal sein, wenn Sie investieren und nicht spekulieren wollen. Wenn Sie also Firmenanteile kaufen und bis mindestens 2030 behalten wollen. Was interessieren Sie da die Kurse von 2015? Der Wert einer gut geführten Firma steigt langfristig und die Dividenden gibt es noch dazu. Starten Sie noch heute mit einem kostengünstigen, breit anlegenden Index-Fonds.

Das Risiko besteht nicht darin, das Sie jetzt kaufen und die Kurse in drei Monaten um 30 Prozent einbrechen. Das Risiko besteht darin, dass Sie die Nerven verlieren und am Tiefpunkt verkaufen. Wer die Aktie nicht hat, wenn sie fällt, hat sie auch nicht, wenn sie steigt. Die Börse hat sich noch nach jedem Crash erholt.

Zum Schluss: Ihre Fonds sind gut gelaufen. Schön für Sie, aber das alleine ist kein Grund, noch mehr Geld an die Börse zu tragen. Ihr Depot passt, wenn ein 50-prozentiger Kursrutsch Sie kaltlässt.