Finanz-Apps für Smartphones

Frage von "Digiman": "Es gibt ja inzwischen viele Apps für Smartphones, mit denen ich mein Geld organisieren kann. Gut oder schlecht? Und: Woran kann ich als Laie erkennen, ob die sicher respektive unsicher sind?"

Antwort von André M. Bajorat: "Apps für die eigenen Finanzen sind ein sehr guter Weg die persönlichen Finanzen zu organisieren und vor allem durch gesteigerte Transparenz zu optimieren. Daher sind sie grundsätzlich nützlich. Sind sie aber auch sicher und vertrauenswürdig? Neben dem Absender der App (gute Marke, Hausbank etc.) sind externe Siegel, etwa vom TÜV, gute Indikatoren dafür, dass die Sicherheit einer App geprüft wurde. Ich selber schaue mir außerdem die Nutzerbwertungen im App-Store und die Datenschutzbestimmungen eines Dienstes an, der sich mit Finanzen beschäftigt. Sind sie für mich verständlich und nachvollziehbar, steht einer Nutzung nichts mehr im Wege."

Ethisch anlegen

Frage von Matthias Schade: "Mal ehrlich: Gibt es überhaupt ethisch vertretbare Anlagemöglichkeiten, ohne Rüstungsgüter, Atom- und Kohlestrom, Agrarspekulationen, Massentierhaltung und Land-Grabbing, Luxusgüter, Ausbeutung von Arbeitern der dritten Welt, Kinderarbeit? Und wenn ja, wo kann ich sie finden?"

Antwort von Clemens Plainer: "Es gibt Ethik-Fonds, die in Unternehmen investieren, die darauf verzichten. Doch sollte man such ihr Portfolio genau ansehen, denn es gibt keine klare Regeln für ethische Anlagen. Und wir von Die Kleinanleger meinen: Nicht scheinheilig sein! Nur wer auch in seinem alltäglichen Leben ausschließlich auf Ökostrom, Bio-Fleisch und Fair-Trade Kleidung setzt, sollte ähnliche Maßstäbe bei der Kapitalanlage setzen. Wer jedoch Güter des täglichen Bedarfs ohne Bedenken von etablierten Unternehmen nach dem ‚Billigst-Prinzip‘ kauft, darf auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn in seinen Fonds eine paar Aktien von Airbus, E.ON oder Louis Vuitton stecken."

Betriebliche Altersvorsorge

Frage von E. Pohl: "Ich habe vor zwölf Jahren meine Arbeitsstelle verloren und seitdem meine Beiträge in die betriebliche Altersvorsorge selbst weitergezahlt. Von meiner Krankenkasse habe ich erfahren, dass ich im Rentenalter auf meine Einkünfte aus der Lebensversicherung aus einer betrieblichen Altersvorsorge Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung zahlen muss. Stimmt das? Und ist der selbst gezahlte Anteil von der Krankenkassenpflicht befreit? Auf dieses Einkommen habe ich ja bereits Krankenkassenbeiträge bezahlt."

Antwort von Hermann-Josef Tenhagen: "Ja, leider fallen auf die Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge nicht nur gesetzliche Kranken- sondern auch Pflegeversicherungsbeiträge an, und zwar in voller Höhe. Es gibt hier keinen Zuschuss von der gesetzlichen Rentenversicherung. Auf den von Ihnen selbst gezahlten Teil müssen Sie aber keine Beiträge bezahlen, sofern Sie als Versicherungsnehmer in den Vertrag eingetragen sind. Außerdem ist Voraussetzung, dass Sie in der Rente Pflichtmitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung sind."

Rating-Agenturen

Frage von D. Rosenau: "Wieso schielen wir dauernd wie das Kaninchen auf die Schlange, auf die sogenannten Rating-Agenturen? Die produzieren nur ihre Meinung und können für Fehleinschätzungen nicht mal haftbar gemacht werden. Können wir die nicht einfach ignorieren?"

Antwort von David Iselin: "Ignorieren sollten wir sie nicht, dafür sind sie zu wichtig. Wer sonst beurteilt privates und wirtschaftliches Wirtschaften relativ unabhängig? Aber wir sollten Ratings kritisch hinterfragen, denn Gütesiegel wie AAA- oder CCC+ täuschen eine Genauigkeit vor, die es so nicht gibt. Ratings sind stets mit Vorbehalt zu beurteilen. Der Fokus der Ratings liegt eher auf einzelnen Sachverhalten, systemische Risiken werden vernachlässigt. Doch daran arbeiten die Agenturen sehr wahrscheinlich – hoffentlich. Heikel ist es, wenn Rating-Agenturen Anleihen von Unternehmen bewerten, die sie zugleich beraten. Und: Der Wettbewerb zwischen den Agenturen scheint angesichts des Oligopols von Standard & Poor‘s, Moody’s und Fitch schwach. Weitere Agenturen täten dem Wettbewerb gut."

Immobilien

Frage von Torsten K.: "Ich habe in den letzten zehn Jahren insgesamt vier Immobilien zu jeweils moderaten Preisen erworben. Ich plane, demnächst eine fünfte Immobilie zu erwerben. Bin ich mit meinem komplett auf Immobilien ausgerichteten Investment ein zu großes Klumpenrisiko eingegangen?"

Antwort von Albert Warnecke: "Wieso Klumpenrisiko? Ich würde jetzt erst recht loslegen und gerne noch eine sechste oder siebte Immobilie kaufen. Sie sind sehr betonlastig, aber innerhalb des Immo-Pakets sorgt jede weitere Immobilie für Diversifikation. Wer seit zehn Jahren erfolgreich im Immobilien-Geschäft ist, kennt die Fallstricke. Die können Sie bei der fünften Immobilie vermeiden. Sie haben die Lernkurve hinter sich, außerdem profitieren Sie von den Skaleneffekten. Eine Nebenkostenabrechnung für vier Immobilien dauert nicht vier Mal so lange wie die Abrechnung für eine Immobilie. Auch die Zeit für das Ausfüllen der Anlage V der Steuererklärung vervierfacht sich nicht. Je mehr Immobilien Sie besitzen, umso attraktiver werden Sie zudem für Handwerker. Irgendwann ist man dann ein wichtiger Kunde und wird bevorzugt behandelt."

Baukredit

Frage von David: "Ist es beim heute so niedrigen Zinsniveau für Immobiliendarlehen, wenn man genug gespart und ein gutes Händchen für Aktiengeschäfte hat, nicht am günstigsten, folgendermaßen vorzugehen: Man leiht sich so viel Geld wie möglich für den Hauskauf und wählt eine geringe Tilgungsrate. Den niedrigen Zins kann man 15 Jahre binden lassen. In dieser Zeit nutzt man sein Erspartes, um an der Börse zu investieren. Nach 15 Jahren hat man im Idealfall genug Kapitalgewinne erzielt um den Kredit auf einen Schlag zu tilgen. Wäre das sinnvoll?"

Antwort von Marc Schmidt: "Schaut man nur auf die Zahlen, fährt man mit dieser Methode unter Berücksichtigung der aktuellen Darlehenszinsen für Immobilien und der historischen Aktienrenditen absolut richtig. Aber der Teufel liegt im Detail, Stichwort: Ablaufmanagement. Die notwendige Kreditsumme muss genau zum Laufzeitende vorhanden sein. Börsenturbulenzen wie im August können so ein Finanzierungskonstrukt innerhalb kurzer Zeit zusammenbrechen lassen. Daher sollte man eine so risikoreiche Immobilienfinanzierung nur mit hohem finanziellem Puffer eingehen. Zudem muss frühzeitig vor Ende des Anlagezeitraums von riskanteren in sichere Anlageformen gewechselt werden. Wenn die Aktienanlage schief geht, muss für das fehlende Geld eine Anschlussfinanzierung her – und das kann nach 15 Jahren deutlich teurer sein als jetzt."