Die Milliarden liegen auf der Straße. Wir haben in Deutschland Geld für ein riesiges Konjunkturprogramm übrig. Sie als Verbraucher haben es. Mit diesem Geld könnten Sie in den Urlaub fahren oder sich ein neues Sofa kaufen. Oder weniger arbeiten und mehr Zeit für sich haben. Rund 2.000 Euro im Jahr hätte eine typische Familie zusätzlich übrig für die schönen Dinge des Lebens. Wenn, ja, wenn diese nicht andauernd zu viel bezahlen würde – an Stromkonzerne und Telekommunikationsfirmen, an Versicherungen oder Banken. Dieses Geld können Sie sparen, ohne dass Sie dafür weniger Leistung erhalten. Einfach, indem Sie Markt und Wettbewerb in Ihrem Sinne nutzen. Schlagen Sie zurück!

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat die Politik in vielen Bereichen den Markt freigegeben und versucht nun mühsam, negative Auswüchse ihrer Liberalisierungen wieder einzufangen. Das ist gut und richtig. Genauso wichtig ist aber, dass die Kunden den Wettbewerb, den die Unternehmen so lautstark eingefordert haben, endlich für sich selber nutzen.

Lange Zeit haben Unternehmen der Grundversorgung ihren Kunden als Monopolisten gegenübergestanden, etwa die Energiekonzerne. Als Mitte der neunziger Jahre der Strommarkt liberalisiert wurde, hatten sich vier große Konzerne die Bundesrepublik aufgeteilt. Ganz grob betrachtet, beherrschte RWE den Westen, Vattenfall den Osten, Eon die Mitte und EnBW den Süden. Der Strom kam aus der Steckdose – garantiert vom marktbeherrschenden Versorger.  

In anderen Branchen war der Markt streng reguliert, etwa im Bereich der Versicherungen: Diese mussten ihre Verträge der Versicherungsaufsicht vorlegen und alle von ihr absegnen lassen. Die Policen waren daher standardisiert und unterschieden sich vor allem im Preis. Gab es weder Monopole noch einen regulierten Markt, befanden sich die Unternehmen im Bereich der Grundversorgung häufig gleich ganz in der Hand des Staats, wie die Deutsche Bundespost mit dem Post- und Fernmeldedienst. Noch in den achtziger Jahren wussten die Bürger der Bundesrepublik genau, dass die gelbe Post die Briefe bringt und die graue Post die Telefonleitungen freischaltet. Viel mehr gab es und brauchte man nicht zu wissen. Über zu hohe Gebühren und einen schlechten Service konnte man zwar schimpfen, doch das blieb folgenlos. Andere Anbieter gab es ja nicht.

Das ist heute anders. Nach und nach hat die Politik die Märkte freigegeben und Konkurrenz und Wettbewerb ermöglicht. Das ist gut, denn jetzt haben die Kunden die Wahl – und damit auch die Macht. Sie können schlechten oder teuren Anbietern den Rücken kehren und den behäbigen Monopolisten von einst oder windigen Abzockern von heute die Rote Karte zeigen. Nicht nur Unternehmen und Politik, auch die Kunden gestalten den Markt mit. Aber dazu benötigen sie Informationen und Einblicke in die Angebote der Unternehmen – und ihre Fallstricke.

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Das Finanztip-Buch: Wie Sie mit wenig Aufwand viel Geld sparen" von Hermann-Josef Tenhagen, erschienen bei Ullstein. © Ullstein

Es ist mein persönlicher Ehrgeiz als Chefredakteur des Verbraucherportals Finanztip, den Kunden die wichtigen Informationen so zu liefern, dass sie ihre Marktmacht auch wirklich ausüben können. Denn das mit der Information ist vertrackt. Die Verbraucher haben ein ganz gutes, eigenes Gespür dafür, wie viele Informationen sie verarbeiten können. Aus der Marktforschung wissen wir, dass Kunden in der Regel eher ins Supermarktregal greifen, wenn Sie nur fünf Marmeladensorten zur Auswahl haben. Mehr ist nicht nötig, und man verliert nur den Überblick. Die Wahl zwischen rund fünfhundert Unfallversicherungen oder Handytarifen lässt den Verbrauchern also keine Chance, eine vernünftige Entscheidung zu treffen, außer natürlich, sie befassen sich ganz intensiv mit einem Produkt oder Angebot. Aber dazu haben nur wenige Zeit und Lust, und die Unternehmen machen es einem auch nicht gerade leicht.

Zu den wunderbarsten Geschichten meines Berufslebens gehört die vom Versicherungsvertreter mit dem USB-Stick. Eines Tages geriet der gute Mann unbemerkt an einen Testkunden meiner alten Redaktion von Finanztest, der vor dem Abschluss auch noch testen sollte, ob er die Versicherungsbedingungen ord- nungsgemäß kriegt – und was diese taugen. Der Vertreter der Generali drückte dem Tester einen USB-Stick mit den Versicherungsbedingungen in die Hand. 22.000 Seiten Informationen über die zahllosen Angebote des Konzerns – vollständige Information, was können Kunden mehr wollen?

Den Telefonanbieter zu wechseln, ist ganz leicht

Nun, sie wollen viel mehr: nämlich relevante Informationen. Wenn die Angestellten eines Unternehmens ihrem Vorstandsvorsitzenden eine Entscheidungsvorlage erstellen, darf die in der Regel nicht länger sein als eine Seite. Ich denke, die Unternehmen müssten ihren Kunden die wichtigen Informationen vor einer Kaufentscheidung ebenso auf einer Seite aufbereiten. Wenn sie das bei ihrem Chef können, müssen sie das auch bei ihren Kunden können. Tun sie aber nicht.

Die Anbieter für Energie oder Telefon und Internet zu wechseln, ist ganz leicht. Die Verträge sind jährlich kündbar, gute Tarife auf unserer Seite Finanztip.de oder mit Vergleichsportalen wie Check24, Tariffuxx oder Verivox fix aufgespürt. Sie müssen nur wissen, wie sie die Portale richtig, in Ihrem Sinn richtig, bedienen. Auf welche Voreinstellungen müssen Sie achten? Wo setzen Sie ein Häkchen – und wo nicht? Das ist rasch erklärt und verstanden, man muss es nur wissen.