Niedrige Zinsen, ordentliche Einkommenssteigerungen und immer höhere Mieten: Selten scheint es sich mehr gelohnt zu haben, eine Eigentumswohnung oder ein Eigenheim zu kaufen. Zahlreiche Berechnungen zeigen, dass dies unter dem Strich günstiger wäre, als ein Leben lang zur Miete zu wohnen. Doch noch immer ist Deutschland ein Land der Mieterinnen und Mieter: Der Anteil derer, die Wohneigentum besitzen, ist mit 45 Prozent aller Haushalte vergleichsweise gering. Vor allem jüngere Generationen halten sich zurück, wenn es um den Erwerb einer Immobilie geht – die Eigentümerquote der 30- bis 40-Jährigen ist in den vergangenen Jahren gesunken, nicht gestiegen. Doch was spricht eigentlich dagegen, sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen?

Erklärungsansätze gibt es einige: Eine sich ändernde Arbeitswelt, längere Ausbildungszeiten, weil immer mehr junge Menschen studieren, und die Abschaffung staatlicher Vergünstigungen beim Eigentumserwerb. Plausibel erscheint es auf den ersten Blick dennoch nicht, die Kostenvorteile des Eigentums zu ignorieren und weiter hohe Mieten zu bezahlen. Doch auf den zweiten Blick ist die Zurückhaltung alles andere als abwegig. Denn den Eigenkapitalanteil, der von den Banken gefordert wird, bekommen immer weniger Haushalte zusammen.

Als Daumenregel gilt, dass ein Haushalt mindestens die Kaufnebenkosten, bestehend aus Maklergebühren, Notarkosten und Grunderwerbsteuer, selbst stemmen können muss, besser noch weitere 15 Prozent des Immobilienwerts. Wer allerdings durch ein langes Studium oder befristete Beschäftigungsverhältnisse erst spät damit beginnen kann, Kapital anzusparen, dem fehlt in einem Alter, in dem die Familiengründung ansteht, das nötige Startkapital für die eigene Immobilie. Dass die Kapitalerträge aufgrund der niedrigen Zinsen in den vergangenen Jahren im Durchschnitt deutlich geringer ausfielen als die Immobilienpreise stiegen, kommt noch hinzu.

Kostete beispielsweise ein neues Reihenhaus in Berlin im Jahr 2010 etwa 270.000 Euro, waren es im Jahr 2016 schon 350.000 Euro. Die Kaufnebenkosten summierten sich im Jahr 2010 auf knapp 35.500 Euro, im Jahr 2016 lagen sie für dasselbe Reihenhaus bei gut 46.000 Euro. Das mittlere Finanzvermögen der deutschen Haushalte, also alle liquiden Vermögenswerte wie Bargeld, Festgeld oder Aktien, ist demgegenüber laut Bundesbank in den Jahren 2010 bis 2014 von gut 17.000 auf 16.600 Euro gesunken, 2016 dürfte es etwa 16.000 Euro betragen haben.

Diese Kombination aus sinkenden Vermögen und steigenden Immobilienpreisen führt dazu, dass sich viele Familien die eigenen vier Wände in ihrer Stadt schlicht nicht (mehr) leisten können. Wie eine aktuelle DIW-Analyse zeigt, verfügten im Jahr 2010 immerhin 40 Prozent aller Haushalte über gerade so viel Eigenkapital, um sich eine Immobilie in Berlin, Nürnberg oder Aachen zu leisten. Heute müsste das Finanzvermögen für ein Berliner Reihenhaus mehr als das 1,6-fache betragen, um die Kaufnebenkosten aus eigener Tasche bestreiten zu können. Statt Berlin könnte sich diese Haushaltsgruppe heute ein Häuschen in Leipzig, Hildesheim oder Herne leisten.

In den Bundestagswahlprogrammen der meisten Parteien finden sich Vorschläge, die den Weg ins Eigenheim dennoch ebnen sollen. So schlägt etwa die CDU für zehn Jahre ein Baukindergeld in Höhe von jährlich 1.200 Euro je Kind vor. Darüber hinaus soll es Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer geben – in der Höhe bislang unbestimmt. Die FDP schlägt hier einen Freibetrag von 500.000 Euro vor, die SPD von 200.000 Euro. Im Gegensatz zur CDU setzen die Sozialdemokraten nicht auf eine laufende Unterstützung, sondern auf einen einmaligen Zuschuss als Familienbaugeld, das in Höhe von bis zu 20.000 Euro Familien in Regionen mit angespannten Wohnungsmärkten gewährt werden soll.