Wer heute jung ist, wird einer Fondsgesellschaft zufolge im Alter von seiner gesetzlichen Rente kaum leben können. Das geht aus dem Vorsorgeatlas Deutschland von Union Investment hervor. Die heute 20- bis 34-Jährigen, die besonders von den vergangenen Rentenreformen betroffen sind, bräuchten demnach etwa 800 Euro im Monat zusätzlich. Weniger Sorgen müssten sich die 50- bis 65-Jährigen machen.

Die Autoren der Studie vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg gehen davon aus, dass zur Sicherung des Lebensstandards im Alter 60 Prozent des letzten Bruttoeinkommens erforderlich sind. Junge Menschen kommen der Prognose zufolge im Ruhestand ohne Zusatzvorsorge im Schnitt auf 981 Euro und damit auf 38,6 Prozent. Die heute 35- bis 49-Jährigen könnten mit 1.048 Euro monatlich rechnen (43,2 Prozent). Deutlich besser stehen Ältere mit 1.184 Euro (64,1 Prozent) da.

Unter Hinzunahme von Riester-Rente sowie von betrieblicher Altersversorgung sei es jedoch möglich, drohende Rentenlücken zu schließen. "Die gesetzliche Rente bleibt über das Jahr 2030 die tragende Säule der Altersvorsorge. Aber erst die private Vorsorge sichert den Lebensstandard", sagte Studienleiter Bernd Raffelhüschen. Er rief dazu auf, die Privatvorsorge zu verstärken.

Die Linke fordert Stärkung der gesetzlichen Rente

Der Rentenexperte der Linksfraktion im Bundestag, Matthias Birkwald, sieht die Problemlösung dagegen nicht in weiteren Anlageprodukten, sondern im Ausbau der gesetzlichen Rente. "Wir brauchen jetzt eine Stärkung der gesetzlichen Rente nach österreichischem Vorbild und ein Rentenniveau von 53 Prozent", sagte er in Berlin. "Alles andere ist Augenwischerei und Lobbyarbeit für die Versicherungswirtschaft", fügte er hinzu.

Bei den Möglichkeiten zur Privatvorsorge gibt es regionale Unterschiede: Menschen in Ostdeutschland haben wegen durchschnittlich niedrigerer Arbeitseinkommen weniger Spielraum für private Vorsorge. Zudem ist der Anteil am letzten Bruttoeinkommen allein nicht immer aussagekräftig. So kommen Geringverdiener mit einem Einkommen von weniger als 1.100 Euro brutto im Ruhestand den Berechnungen zufolge zwar auf rund 70 Prozent des letzten Gehaltes. Doch das entspricht im Schnitt nur etwa 679 Euro monatlich – womit sie unterhalb der Armutsgrenze liegen.

Der Auftraggeber der Studie, Union Investment, bietet auch Produkte zur privaten Altersvorsorge an.