Wohin mit dem Geld? In unregelmäßigen Abständen rufen wir unsere Leserinnen und Leser dazu auf, ihre drängendsten Geldfragen an uns zu schicken, damit ausgewählte Finanz-Blogger und -Bloggerinnen sie beantworten. Hier lesen Sie einige der Tipps. 

1) Freiwillig in die Rentenkasse einzahlen?

Leser Pinguin03 fragt: Lohnt es sich, 30.000 Euro in die Deutsche Rentenversicherung (DRV) einzuzahlen, wenn ich meine Altersrente früher in Anspruch nehmen und eine Rentenminderung ausgleichen will?

Antwort von Hermann-Josef Tenhagen: Aktuell bekommen Sie bei der DRV für Ihr Geld mehr Rentenansprüche, als wenn Sie privat in eine Rentenversicherung einzahlen oder Ihr Geld in einen Sparplan mit späterer Auszahlung packen. Damit gehen Sie allerdings die Wette auf ein langes Leben ein, da die Auszahlung monatlich erfolgt – Sie können sich das Geld nicht auf einmal auszahlen lassen. Sie profitieren nur dann, wenn Sie tatsächlich 80 oder älter werden.

2) Wie lässt sich Streit übers Geld vermeiden?

Leserin Gabi W. fragt: Wenn ich mir mit meinem Lebenspartner etwas Größeres leiste, dann teilen wir die Kosten unproblematisch auf. Aber bei kleineren Ausgaben sind wir uns oft nicht einig, wer bezahlen sollte, und streiten manchmal darüber. Wie kriegen wir das in den Griff?

Antwort von Marielle und Michael Schäfer: Große Ausgaben werden in der Regel geplant, da wissen Sie, was auf Sie zukommt. Kleine Alltagsausgaben passieren spontan und sind anfälliger für Streit. Die Medizin: klare Absprachen! Legen Sie ein Haushaltsbuch an, dokumentieren und budgetieren Sie Ihre Ausgaben. Richten Sie außerdem ein gemeinsames Konto ein, und überweisen Sie beide einen monatlichen Fixbetrag. Zahlen Sie davon Ihre spontanen Käufe. So können Sie besser planen und ersparen sich schwierige Auseinandersetzungen.

3) Provisionen umgehen – geht das?

Leser Angestellter fragt: Wie kann ich Anlageprodukte kaufen, ohne dass eine Bank über Provisionen und Gebühren mitverdient?

Antwort von Albert Warnecke: Werden Sie Kunde bei einem Online-Broker und kaufen Sie dessen Angebote, dann minimieren Sie die Gebühren. Passen Sie aber auf, dass Ihre Sparsamkeit nicht in Geiz ausartet. Auch eine Bank darf mit guter Beratung Geld verdienen, sollte Ihnen aber stets transparent ihre Gebühren auflisten. Außerdem gibt es interessante Produkte, die nur für den provisionsgetriebenen Vertrieb gemacht sind, etwa Immobilien-Crowdinvesting.

4) Soll ich umschichten?

Leser DonVito fragt: Sind Aktien und Aktienfonds bis zu meiner Rente in 17 Jahren weiterhin die beste Anlage – oder sollte ich umschichten?

Antwort von Natascha Wegelin: Was die Zukunft bringt, weiß niemand. Fakt ist aber, dass sich Aktien in den letzten Jahren mit durchschnittlich neun Prozent Rendite sehr gelohnt haben. Da 17 Jahre ein mittelfristiger Anlagehorizont sind, bietet sich eine defensive Anlagestrategie mit Aktien an, bei der Sie Ihr Risiko breit streuen. Sogenannte ETFs auf die gängigen Indizes wie etwa den MSCI World sind eine kostengünstige Möglichkeit und sichern Ihnen eine durchschnittliche Marktrendite.

5) Wie kann ich für mein Patenkind sparen?

Leserin Uschi fragt: Für mein Patenkind möchte ich jeden Monat Geld in einem ETF anlegen. Worauf muss ich achten?

Antwort von Christian Thiel: Monatliche Sparpläne auf Indexfonds, also ETFs, kosten mehr Gebühren, als wenn Sie nur einmal im Jahr ETF-Anteile kaufen – um das Risiko zu streuen, am besten abwechselnd einen ETF auf den MDAX und einen auf den S&P 500. Wenn Sie Einfluss darauf nehmen wollen, was aus dem Geld wird, ist es ratsam, das Depot selbst zu führen. Dann kann sich Ihr Patenkind an Sie wenden, wenn es Pläne hat, die es nur mit Ihrer Hilfe verwirklichen kann.

6) Muss ich die Riester-Förderung zurückzahlen?

Leserin Franziska fragt: Mir geht es wie vielen Menschen in meinem Alter: Ich wechsele immer wieder zwischen zeitlich begrenzten Anstellungen als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer Uni und freiberuflicher Arbeit. Mein Einkommen schwankt zwar und ist auch nicht besonders hoch, aber ich möchte mit Mitte 30 endlich anfangen, fürs Alter vorzusorgen. Von der gesetzlichen Rente erwarte ich nicht viel, aber ich würde gerne Riester nutzen, also die staatlich geförderte Altersvorsorge – etwa mit einem Sparplan auf Aktienfonds, von dem ich mir auf lange Sicht einen hohen Ertrag erhoffe. Meine Fragen: Müsste ich die Riester-Förderung zurückzahlen, wenn ich nach einer Anstellung wieder freiberuflich arbeite? Und sollte ich überhaupt riestern – oder wäre in meiner Situation eine andere Art der Vorsorge besser?

Antwort von Hermann-Josef Tenhagen: Arbeitnehmer, die öfter zwischen Selbstständigkeit und Angestelltendasein wechseln, haben es bei der Altersvorsorge nicht leicht. Dennoch gilt: Für die Zeiten des Angestelltendaseins ist ein guter Riester-Vertrag mit Förderung die wahrscheinlich beste Alternative. Sie müssen übrigens die Förderung nicht zurückzahlen, wenn Sie wieder freiberuflich arbeiten, sondern können einfach weitersparen, dann allerdings ohne Förderung. Manche Formen der Selbstständigkeit erlauben auch das Weitersparen mit Riester-Förderung. So dürfen zum Beispiel alle Berufsgruppen, die sich in der Künstlersozialkasse sozialversichern können – also etwa Journalisten, Grafiker, Musiker, Schauspieler –, weiter riestern. Mit dem Wunsch nach einer eigenen Wohnung ist ein Bank- oder Bausparplan besser, sonst empfiehlt sich für junge Sparer ein Fondssparplan mit kostengünstigen Indexfonds.

7) Technologie-Aktien verkaufen?

Leser woodenforest fragt: Ich habe einen mittleren fünfstelligen Betrag auf der hohen Kante und ein Aktiendepot mit Technologie-Aktien. Weil deren Kurse 2017 sehr stark gestiegen sind, bin ich hin- und hergerissen: Soll ich die Aktien abstoßen? Oder weiter auf steigende Kurse setzen und das Depot womöglich sogar ausbauen?

Antwort von Albert Warnecke: Wenn Sie zukaufen, sollten Sie diversifizieren, also keine Technologie-Aktien kaufen. Andernfalls erhöhen Sie Ihr Klumpenrisiko. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Tech-Kurse wieder die Landeklappen ausfahren. Und davon unabhängig: Grundsätzlich sollten Sie nur so viel Geld in Aktien investieren, dass Sie auch eine Kurshalbierung kaltlassen würde. Wenn das bei den gut gelaufenen Tech-Aktien nicht der Fall ist, dann haben Sie zu viel Geld an der Börse und sollten einen Teil verkaufen.

8) Wie kann ich mit Fonds ethisch sinnvoll anlegen?

Leserin Jana L. fragt: Ich bin 27 Jahre alt, habe aber noch ein recht unregelmäßiges Einkommen. Jetzt möchte ich anfangen, Geld zur Seite zu legen, um für das Alter etwas anzusparen. Von Freunden habe ich gehört, dass sich sogenannte Indexfonds auch schon bei kleineren Einzahlungen lohnen können. Mir ist es aber wichtig, mein Geld "ethisch sinnvoll" anzulegen. Wie ist das möglich?

Daniel Korth meint: Die Nachfrage nach "ethisch sinnvoller" Geldanlage wird immer größer. Und Banken und Finanzfirmen haben eine Vielzahl von Produkten im Angebot, etwa schariakonforme Indexfonds oder Wasserfonds. Doch oft haben solche Fonds höhere Kosten, bieten weniger Rendite und setzen mitunter doch auf ethisch fragwürdige Unternehmen. Daher würde ich immer mit einem Sparplan auf einen großen ETF setzen, der das Geld breit verteilt, etwa auf die Unternehmen des MSCI World Index. Und dazu parallel einen kleinen Teil direkt in nachhaltige Projekte investieren. Das schont den Geldbeutel, hebt die Rendite und ist ethisch sinnvoll.

9) Wohin mit meinen Ersparnissen?

Leser Sören B. fragt: Ich bin Mitte 30, habe etwa 17.000 Euro auf meinem Tagesgeldkonto angespart, was in Zeiten niedriger Zinsen wenig ergiebig ist. Aber ich bin ratlos, was ich stattdessen mit dem Geld anfangen soll. Eine Wohnung zu kaufen kommt für mich derzeit nicht infrage, ich möchte mich nicht festlegen. Aktien wiederum sind kurzfristig riskant, und Aktienfonds legen Geld auch in Unternehmen an, deren Geschäftsmodell ich fragwürdig finde. Welche sicheren und zugleich verantwortungsbewussten Anlageformen gibt es unabhängig davon?

Antwort von Natascha Wegelin: Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, bleiben Sie beim Tagesgeldkonto. Sie können dann zwar nicht mit Zinsen rechnen, aber laufen auch nicht Gefahr, Geld zu verlieren. Wenn Sie Rendite erwirtschaften und zudem nachhaltig investieren möchten, könnten grüne ETFs eine gute Wahl sein, etwa auf dem Natur-Aktien-Index (NAI). Riskanter, aber attraktiv sind auch nachrangige Darlehen für konkrete nachhaltige Projekte, wie sie zum Beispiel die Plattform bettervest vermittelt.

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