Nach wiederholten Kursturbulenzen beim Zahlungsdienstleister Wirecard ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen einen Journalisten der Financial Times (FT). Demnach hat ein Anleger Strafanzeige erstattet. Ermittelt wird laut FAZ wegen Vergehens nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG).

Dem Bericht zufolge liegen der Staatsanwaltschaft Aussagen eines Leerverkäufers vor, der nach eigenen Angaben vorab darüber informiert wurde, wann die Financial Times über angebliche Bilanzierungsverstöße sowie Geldwäsche in einer Wirecard-Niederlassung in Singapur berichtet. Sollte dies zutreffen, wäre die Weitergabe dieser Information möglicherweise ein Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz. Tatsächlich war die Aktie des Unternehmens nach Veröffentlichung der Recherchen eingebrochen.

Ob die geplanten Presseberichte von dem Journalisten überhaupt vorab gezielt Insidern mitgeteilt wurden und ob diese zutreffend sind, muss nun geklärt werden. Wirecard weist die in den Recherchen erhobenen Anschuldigungen als Diffamierung zurück.

Klar ist, dass für Finanzjournalisten besondere Regelungen nach dem Wertpapierhandelsgesetz gelten. Auch der Pressekodex sieht vor, dass Journalistinnen und Journalisten besondere ethische Standards beachten sollen, wenn sie über das Geschehen an den Finanzmärkten berichten und dabei über Insiderinformationen verfügen. So regelt etwa Richtlinie 7.4, dass Journalisten Informationen vor ihrer Veröffentlichung ausschließlich für publizistische Zwecke nutzen dürfen, nicht aber zum eigenen persönlichen Vorteil oder zum persönlichen Vorteil anderer. Der Pressekodex entfaltet allerdings keine strafrechtliche Wirkung, sondern ist nur ein Regelwerk der freiwilligen Presseselbstkontrolle – und er gilt nur für Medien hierzulande, die FT hat ihren Hauptsitz hingegen in London.

BaFin setzt Handel zunächst aus

Die Bundesfinanzaufsicht BaFin hat unterdessen neue Spekulationen auf fallende Wirecard-Aktienkurse verboten. Wie die Behörde in Bonn mitteilte, dürfen bis zum 18. April weder neue Netto-Leerverkaufspositionen in Aktien der Wirecard AG begründet noch bestehende Netto-Leerverkaufspositionen erhöht werden.

Dies zielt auf eine bestimmte Gruppe von Spekulanten, die sogenannten Leerverkäufer. Diese Short Seller wollen Geld mit fallenden Kursen verdienen. Dabei leihen sie sich Anteilsscheine gegen Gebühr und verkaufen diese am Markt. Sinkt dann der Aktienkurs, können sie die Aktienpakete wieder günstiger zurückkaufen und dem eigentlichen Eigentümer zu einem festgelegten Zeitpunkt wieder zurückgeben. Je mehr der Kurs fällt, desto größer ist der Gewinn, den die Leerverkäufer beim Spekulieren machen.

Die Finanzaufsicht begründete ihre Maßnahme mit dem Risiko der Marktverunsicherung. In den vergangenen Tagen seien massive Unsicherheiten an den Finanzmärkten feststellbar gewesen, der Börsenkurs von Wirecard war enorm geschwankt, was für ein Dax-Unternehmen eher ungewöhnlich ist. Die im Leitindex Dax enthaltene Wirecard-Aktie hatte dabei rund 40 Prozent ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt. Tatsächlich kann das Bundesamt in einem solchen Fall den Handel mit einzelnen oder mehreren Finanzinstrumenten für eine begrenzte Dauer aussetzen, um das Finanzsystem zu stabilisieren. Auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (Esma) sah in dem Verlauf "das Marktvertrauen in Deutschland ernsthaft bedroht". Die in Paris ansässige Behörde genehmigte daher die Maßnahmen der BaFin. 

Das 1999 gegründete Unternehmen Wirecard war laut BaFin schon 2008 und 2016 Ziel von sogenannten Short-Attacken. Auch damals hatte es Kursrückgänge gegeben. Der Finanzdienstleister hat seinen Sitz in Aschheim bei München und wickelt für Firmenkunden in aller Welt Onlinezahlungen zwischen Verbrauchern, Händlern und Banken ab. Der Konzern profitiert wie nur wenige andere von der weltweiten Verlagerung der Zahlungsströme ins Internet.

Im vorbörslichen Handel notierten die Wirecard-Aktien zu Wochenbeginn vier Prozent im Plus.