Lange galt: Wer sein Geld auf einem Sparkonto anlegt, wird von seiner Bank dafür mit Zinsen belohnt. Das aber hat sich gründlich geändert: Heute bekommen Sparer für ihr auf Sparkonten geparktes Guthaben in der Regel so gut wie gar keine Zinsen mehr. Da sie selbst wirtschaftlich stark unter Druck stehen, sind einige Banken sogar dazu übergegangen, dass Kunden für das bei ihnen eingelagerte Geld zahlen müssen – so genannte Strafzinsen. Konkret heißt das: Sparen lohnt sich nicht mehr, sondern wird sogar bestraft. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) wollen sich damit nicht abfinden. Die wichtigsten Fragen dazu im Überblick: 

Was genau fordern die Politiker?

Um Kleinsparer vor Strafzinsen zu schützen, will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mittels einer Bundesinitiative ein Verbot von Negativzinsen erwirken. Er fordert, dass Sparbeträge bis zu 100.000 Euro vom Negativzins ausgenommen werden. Dazu muss man allerdings wissen, dass die Banken, die derzeit Strafzinsen erheben, dies auch erst ab einer Mindestsparsumme von 100.000 tun. "Sparen muss belohnt und darf nicht bestraft werden", begründete er seine Forderung. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat sich für den Vorschlag Söders ausgesprochen und will nun prüfen lassen, ob ein Verbot von Negativzinsen auch per Gesetz zulässig wäre.

Nach oben Link zum Beitrag

Warum erheben Banken Negativzinsen überhaupt?

Die Banken sind seit Jahren unter Druck: Einerseits treiben immer strengere Vorgaben der Regulierer und notwendige Investitionen in die Digitalisierung die Kosten nach oben. Andererseits sind auch die Banken selbst von dem Zinstief betroffen, in dessen Folge ihnen die Erträge wegbrechen. Über viele Jahre hinweg hatten die Institute gut daran verdient, dass sie mehr Zinsen für Kredite kassierten, als sie Sparkunden auf deren Einlagen zahlten. Doch die Zeiten üppiger Zinsüberschüsse sind vorbei. Und die erhoffte Trendwende bleibt vorerst aus: Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Zinsen noch länger auf Rekordtief als erwartet.

Seit Mitte Juni 2014 müssen Geschäftsbanken Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Aktuell verlangt die EZB 0,4 Prozent Strafzinsen. Dadurch entsteht ein Kostendruck, den die Banken teils weitergeben. Hinzu kommt, dass gerade in Deutschland vergleichsweise viele Sparer ihr Geld bei Banken und Kreditinstituten anlegen, um es vor den Risiken des Kapitalmarktes zu schützen – obwohl eine Einlagerung in Aktien- oder Indexfonds auf lange Sicht zwar unsicherer, aber in der Regel rentabler ist. Manche Banken lassen sich die Verwaltung dieser Gelder bezahlen, indem sie ihren Kunden Negativzinsen aufbürden.

Nach oben Link zum Beitrag

Wie viele Banken erheben bereits einen Negativzins?

Bislang sind es nur einzelne Institute, die die Negativzinsen der EZB an Unternehmen oder große Investoren wie Fonds weitergeben. Manch eine Bank bittet aber auch schon wohlhabende Privatkunden zur Kasse. Laut einer Umfrage des Finanzportals Biallo unter 1.200 Banken und Sparkassen kassieren derzeit bundesweit gerade einmal 30 Geldhäuser Strafzinsen von Privatkunden. Einige greifen ab Guthaben von 100.000 Euro zu, bei anderen Instituten liegt die Summe deutlich höher. Einige Firmenkunden und institutionelle Kunden ebenso wie Fonds bekommen demnach derzeit bei 111 Banken und Sparkassen die Kosten für die negativen Zinsen weitergereicht.

Das Gros der Privatkunden ist somit bis jetzt von Strafzinsen verschont geblieben. Dahinter steckt nicht zuletzt die Angst vieler Geldhäuser, in dem heftig umkämpften Bankenmarkt Kunden zu verprellen und diese an die Konkurrenz zu verlieren. Je länger das Zinstief dauert, desto unwahrscheinlicher wird es, dass Privatkunden auch auf Dauer verschont bleiben. Zudem könnte der Druck auf die Branche noch zunehmen: EZB-Präsident Mario Draghi hat bereits in Aussicht gestellt, dass die Notenbank den negativen Einlagenzins verschärfen könnte.

Nach oben Link zum Beitrag

Können Negativzinsen die Konjunktur stärken?

Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) eine Niedrigzinspolitik. Damit möchte die EZB Anreize für Geschäftsbanken schaffen, sich Geld bei ihr zu leihen. Weil die Kredite so niedrig verzinst sind, bieten die Geschäftsbanken die Kredite günstig für ihre Kunden an. Insgesamt hat das zur Folge, dass Unternehmen und Haushalte stärker nach Investitions- und Konsumkrediten nachfragen. So wird mehr Geld ausgegeben – die Volkswirtschaft wächst und die Konjunktur wird befeuert, so das Ziel.  

Ein weiteres Instrument der EZB ist die sogenannte Einlagefazilität. Geschäftsbanken können ihr überschüssiges Geld bei der Zentralbank "parken". Da die EZB daran interessiert ist, dass überschüssiges Geld in die Wirtschaft fließt, liegt der Einlagezins zurzeit bei -0,4 Prozent. Die EZB schafft somit Negativanreize für Geldeinlagen. Selbigen Effekt hätten Negativzinsen auf Sparanlagen von privaten Haushalten. Es würde Anreize schaffen, das gesparte Geld auszugeben.

Trotz des negativen Einlagezinses der EZB steigt die Nutzung der Einlagefazilität seit Jahren enorm. Im April 2015 lagerten die Banken knapp 70 Milliarden Euro bei der EZB. Vier Jahre später sind es fast 620 Milliarden Euro.  

Nach oben Link zum Beitrag

Wie verbreitet sind klassische Sparanlagen?

Anders als in vielen anderen Ländern ist das Sparbuch hierzulande noch immer sehr beliebt: Über zwei Billionen Euro haben die Deutschen auf Sparbüchern, Festgeld- und Anlagekonten angelegt, die gar nicht oder sehr miserabel verzinst sind. Insgesamt besitzen laut einer Studie des Marktforschungsinstitutes Kantar TNS Infratest noch immer 45 Prozent der Deutschen ein klassisches Sparbuch. Damit ist das Sparbuch nach wie vor die beliebteste Anlageform, und das, obwohl sich durch die Niedrigzinspolitik klassische Sparanlagen seit Jahren nicht mehr rentieren. Laut einer Studie des Vermögensverwalters Flossbach von Storch hat nur jeder dritte Deutsche sein Sparverhalten diesem Umstand angepasst. Lediglich 23 Prozent der Deutschen würden langfristig in Aktien und Aktienfonds investieren. Als Grund für diese niedrige Bereitschaft nennt der Vermögensverwalter die Angst vor Kursschwankungen und dem damit verbundenen Risiko des Vermögensverlusts.

Nach oben Link zum Beitrag

Gibt es andere Wege, wie sich Banken den Aufwand für Privatkunden bezahlen lassen?

Schon heute lassen sich viele Banken ihren finanziellen Aufwand an anderer Stelle bezahlen – beispielsweise über die Kontogebühren. Jahrelang hatten viele Institute ganz auf Kontogebühren verzichtet, doch seit 2017 entscheiden sich mehr und mehr Banken, diese wieder einzuführen. Begründet wurde dieser Schritt unter anderem mit den finanziellen Kosten für neue Dienstleistungen im Onlinebereich.

Nach oben Link zum Beitrag

Welche Bedenken gibt es gegen ein Verbot?

"Gesetzliche Verbote sind systemfremd, helfen den Kunden nicht weiter und können letztlich zu einer gefährlichen Instabilität der Finanzmärkte führen", argumentiert die Deutsche Kreditwirtschaft. Jürgen Gros, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, sagte dem Bayerischen Rundfunk: "Ich bin der festen Ansicht, dass Verbote kein Instrument in einer Marktwirtschaft sein können. Es muss den Unternehmen möglich sein, betriebswirtschaftlich sinnvoll wirtschaften zu können." Stefan Schmidt, Sprecher für finanziellen Verbraucherschutz der Grünen im Bundestag, ließ erklären: "Verbietet man den Banken, negative Zinsen weiterzugeben, werden sie stattdessen an der Gebührenschraube drehen" – das werde Kleinsparer noch stärker treffen.

mit Agenturen

Nach oben Link zum Beitrag