Am Montag hatte die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, ihren ersten Tag im neuen Amt. Und sie hat schnell klargestellt, dass sie sich neu positionieren will: anders als ihr Vorgänger Mario Draghi und möglichst abseits der alten Kämpfe.

Im EZB-Rat, dem obersten Beschlussorgan der Notenbank, stehen sich zwei Lager zunehmend feindlich gegenüber. Vereinfacht nennt man sie Falken und Tauben. Die Falken stehen für eine relativ strikte Geldpolitik; sie wollen die Zinsen nicht so schnell senken und Staatsanleihekäufe gar nicht oder nur in Notfällen erlauben. Ganz anders die Tauben: Sie vertreten eine eher nachgiebige Geldpolitik und halten es schnell für notwendig und sinnvoll, Zinsen zu senken oder Staatsanleihen zu kaufen.

Zuletzt war der Streit zwischen beiden Lagern eskaliert. Es ging um die Frage, was die EZB angesichts der schlechter werdenden Aussichten für die europäische Wirtschaft tun solle – und gegen den Willen einer größeren Zahl von Skeptikern hatte Mario Draghi neue Staatsanleihekäufe durchgesetzt.

"Ich mag Eulen. Sie sind sehr weise Tiere."

Christine Lagarde wurde von Beobachtern bislang als neue Anführerin des Draghi-Lagers gehandelt, also der Tauben. Sie selbst hat das nun im Gespräch mit ZEIT ONLINE von sich gewiesen. "Menschen in Tauben und Falken aufzuteilen, das ist ein sehr restriktiver Ansatz", sagte sie. "Ich hoffe, ich werde stattdessen eine Eule sein. Ich mag Eulen. Sie sind sehr weise Tiere."

Das klingt auf den ersten Blick eher unterhaltsam, doch Lagarde ist es durchaus ernst. Was genau die neue Positionierung als "Eule" bedeuten könnte, unterstrich sie mit ein paar Vorschlägen. Ihre ersten Ziele seien, das Mandat zu erfüllen und sicherzustellen, dass das Team funktioniere und zusammenhalte, sagte sie. "Das sind meine zwei Gebote."

Das Mandat zu erfüllen: Das ist die klassische Notenbankeraufgabe. Die Betonung von Teamwork allerdings ist ein neuer Ton an der Spitze der EZB. Zuletzt gab es hier viel Kritik. Lagardes Vorgänger soll sich eher mit einer kleinen Gruppe beraten und viele im EZB-Rat außen vor gelassen und am Ende vor vollendete Tatsachen gestellt haben. Dem Gremium gehören außer dem EZB-Direktorium die Notenbankpräsidenten aller 19 Euro-Länder an.

Die neue EZB-Präsidentin will nun die Kommunikation im Rat offenbar entschieden anders gestalten. Zudem missfällt ihr die jargonartige Sprache in der Notenbank, die nur ein kleiner Clan wirklich versteht. "Sprache ist eine der ersten Dinge, die wir ändern müssen, wenn wir verstanden werden wollen", sagte sie. Abkürzungen seien dabei die allererste Sünde. "Wenn man die Öffentlichkeit anspricht, bedeutet QE gar nichts", sagte sie in Anspielung auf den Begriff Quantitative Easing, der in der Notenbankenwelt den Kauf von Staatsanleihen in großem Umfang meint.