In der nordost-chinesischen Grenzstadt Dandong warteten auch am Samstagmittag noch die Ärzte von fünf Krankenhäusern auf die Verletzten aus Nordkorea. Doch statt dieser passierten wie üblich Lastwagen und Öltanker die über 500 Meter lange "Chinesisch-Koreanische Freundschaftsbrücke" über dem Grenzfluss Yalu. Inzwischen waren bereits 48 Stunden seit dem Explosionsunglück in der 20 Kilometer südlich des Yalu gelegenen nordkoreanischen Industriestadt Ryongchon vergangen. Am Donnerstag, 12:10 Uhr Ortszeit, war dort ein unter Strom stehendes Kabel auf zwei mit Dynamit beladene Waggons gefallen. In Folge der dadurch ausgelösten Explosion sollen nach Angaben des nordkoreanischen Rettungsdienstes vom Samstag mindestens 154 Menschen getötet und über 1 300 verletzt worden sein. Unter den Toten befinden sich 76 Grundschüler.Zuvor hatten südkoreanische Medien von mehreren tausend Toten berichtet. Augenzeugen sprachen von einem Flammenmeer, das sich über eine Fläche mit zwei Kilometer Radius durch die Stadt Ryongchon zog und annähernd 2 000 Häuser und Gebäude vernichtete. Doch wird das wahre Ausmaß der Katastrophe wohl unbekannt bleiben. Bis heute wurde innerhalb Nordkoreas darüber nicht berichtet. Zwar lobte ein Sprecher der Vereinten Nationen, dass das gewöhnlich verschlossene Land schon am Freitag um internationale Hilfe gebeten habe. Auch sollten internationale Hilfsorganisationen noch am Samstag die Unglücksstelle besuchen. Weshalb sogar die Bundesregierung eine Nothilfe von über 50 000 Euro bewilligt hat. Nur bedeutet das alles noch lange nicht, dass man sich wirklich um die Opfer des Unglücks kümmert. Sie hätten eigentlich längst in die hilfsbereiten chinesischen Krankenhäuser der Gegend eingeliefert werden müssen. Stattdessen führte Jang Song Gun, der Sprecher des Nordkoreanischen Rettungsdienstes "Stahl, Zement, Glas und Diesel" als die Dinge auf, die man nun am dringendsten benötigte. Wie mit Stahl und Zement den Verwundeten zu helfen ist, erklärte Jang nicht.So scheint die Explosion von Ryongchon einen weiteren Beleg für jenen Zynismus der nordkoreanischen Regierung abzugeben, der es ihr seit Jahren erlaubt, Hungerhilfe aus aller Welt entgegen zu nehmen und im Zweifelsfall, wenn etwa die Armee unterversorgt ist, das Volk dennoch hungern zu lassen.