Damit hatte niemand mehr gerechnet: General Motors (GM) verkauft seine europäische Tochter Opel nun doch an das Konsortium um den austrokanadischen Zulieferer Magna. Doch damit der Überraschung nicht genug. Offenbar wäre die Vereinbarung beinahe gescheitert – nicht am Widerstand sturer GM-Manager, sondern am Veto zweiter Vertreter der deutschen Regierung.

Was war geschehen? Am Donnerstagnachmittag hatte der Chef-Unterhändler von GM, John Smith, der deutschen Regierung mitgeteilt, der Verwaltungsrat des Mutterkonzerns habe entschieden, einen Teil von Opel an Magna zu verkaufen. Nun fehlte nur noch die Zustimmung des Beirats der Treuhand, die derzeit 65 Prozent an Opel hält. In dem Gremium sitzen zwei GM-Manager und zwei Vertreter der deutschen Regierung: der frühere Conti-Chef Manfred Wennemer und der FDP-Politiker Dirk Pfeil.

Eigentlich sollte die Zustimmung eine Formalie sein. Dass die Bundesregierung ebenso wie die Ministerpräsidenten der Länder mit Opel-Standorten Magna als Bieter favorisieren, ist bekannt. Wennemer sitzt auf Vorschlag der Bundesregierung in dem Gremium, Pfeil gilt als Vertrauter des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Die Stimmen der GM-Manager waren ohnehin sicher, denn diese hatten grünes Licht aus Detroit.

Doch es kam anders, in dem Gremium gab es Streit. Wennemer sprach sich gegen die Magna-Lösung aus, auch Pfeil übte Kritik. Am Ende enthielt sich der FDP-Mann Pfeil seiner Stimme, Wennemer blieb bei seinem Nein, nicht allerdings ohne nach der Sitzung öffentlich seinem Frust Luft zu machen. "Ich habe nach den letzten Entwicklungen in Russland meine großen Zweifel, ob die Blütenträume wirklich aufgehen werden", sagte er. Am heutigen Freitag legte er noch einmal nach: "Die (Opel) verlieren Milliarden pro Jahr, das kriegen sie nicht einfach so schnell weg."

Dass Wennemer so denkt, ist nichts Neues. Bereits vor einigen Wochen deutete er an, dass er von dem Magna-Konzept wenig hält. Auch von Pfeil hieß es, er stehe den Plänen kritisch gegenüber und befürworte eher den konkurrierenden Bieter RHJ. Die Süddeutsche Zeitung zitierte daraufhin einen Unterhändler mit dem Satz, man müsse die Gesandten "wieder einfangen". Pfeil klagte am gestrigen Abend über politische Pressionen. "Ich hätte mich für die Aufgabe nicht bereit gefunden, wenn ich gewusst hätte, das politisch entschieden wird und nicht nach betriebswirtschaftlichen Kriterien", sagte er.

Die deutsche Regierung hat sich das Problem selbst eingebrockt. Als sie im Mai dieses Jahres nach der Opel-Nacht die Treuhänder einsetzte, ließ sie in den Vertrag schreiben, dass diese nur nach ökonomischen Gesichtspunkten über einen Verkauf von Opel an einen Investor befinden sollten. Wennemer nahm die Regierung beim Wort und betonte, er wolle die beste Lösung für Opel suchen, nicht die politisch opportune.

Die Argumente des früheren Conti-Managers sind in wirtschaftlicher Hinsicht nicht ganz von der Hand zu weisen. Tatsächlich sind Magna und Gaz nicht die starken Partner, die Opel eigentlich braucht. Der russische Automarkt, auf dem Opel künftig 700.000 Autos pro Jahr verkaufen soll, liegt darnieder. Niemand weiß zu sagen, wie schnell er sich erholt. Zugleich stehen rund 4,5 Milliarden Euro an Steuergeld auf dem Spiel. Folgt man dem Treuhand-Vertrag war es sogar die Pflicht Wennemers auf seine Bedenken hinzuweisen – und notfalls die Konsequenzen zu ziehen.