Das monatelange Pokern um Opel ist vorerst beendet. General Motors (GM) will 55 Prozent der europäischen Tochter, zu der auch die britische Vauxhall gehört, an das Magna-Konsortium verkaufen. Zehn Prozent sollen die Mitarbeiter übernehmen, den Rest behält GM.

Wie endgültig ist die Entscheidung, und welche Details sind noch unklar?

Bundeskanzlerin Angela Merkel glaubt, dass alle Punkte in den weiteren Verhandlungen "beherrschbar" sind. Wann der Deal endgültig vertraglich abgesichert ist, bleibt jedoch offen. Vor der Bundestagswahl wird daraus aber nichts mehr. Einige "wichtige Punkte" müssten in den kommenden Wochen noch geklärt werden, teilte GM Europe am Donnerstag mit. "Dazu gehören eine schriftliche Bestätigung der Arbeitnehmervertretungen, die Vereinbarung mit den notwendigen Kostenanpassungen zu unterstützen, sowie der Abschluss eines definitiven Finanzierungspakets der Regierungen von Bund und Ländern." Weitere Forderungen hat GM aber offenbar nicht gestellt: "Diesen Eindruck habe ich nicht", sagte Merkel. Die Finanzierungsbedingungen der Bundesregierung würden akzeptiert. Bund und Länder wollen Magna für die Opel-Sanierung insgesamt 4,5 Milliarden Euro Hilfen zur Verfügung stellen.



Eine schriftliche Vereinbarung mit den Arbeitnehmern ist für GM wichtig. Die 25 000 Opelaner in Deutschland hatten im Mai im Rahmen einer Betriebsvereinbarung als Entgegenkommen für die Sanierung des Autobauers auf ihr Urlaubsgeld verzichtet, diese Zusage aber zwischenzeitlich zurückgezogen. Insgesamt geht es um einen Betrag von rund 70 Millionen Euro. Zusätzlich wollten die Beschäftigten auf die von der IG Metall 2008 ausgehandelte Lohnerhöhung über 4,2 Prozent für die Dauer von fünf Jahren verzichten.

Der Opel-Betriebsrat unterstrich am Donnerstag die Bereitschaft zu Millionen-Einsparungen. Die Mitarbeiter böten einen Verzicht von jährlich 265 Millionen Euro an, von 2009 bis 2014 kämen so 1,6 Milliarden Euro zusammen, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz in Rüsselsheim.

Warum hat GM so lange gebraucht?

GM hat die schwierigsten Monate seiner 101-jährigen Geschichte hinter sich. Das am 10. Juli nach nur 40 Tagen abgeschlossene Insolvenzverfahren hat die Organisation des Konzerns vollständig verändert. Im neu zusammengesetzten Verwaltungsrat sind nur sechs Mitglieder schon länger dabei. Neu hinzu kamen zum Teil Manager, die wenig Erfahrung in der Branche haben und sich zunächst einarbeiten mussten. GM war zum Zeitpunkt der Insolvenz mit mehr als 170 Milliarden Dollar verschuldet und muss sein Geschäftsmodell radikal verändern, um überlebensfähig zu bleiben. Außerdem müssen viele neue Interessen unter einen Hut gebracht werden: GM gehört inzwischen zu 60 Prozent der US-Regierung, die den Autobauer schon mit 50 Milliarden Dollar gestützt hat. Zwölf Prozent der Anteile gehören dem kanadischen Staat, 17 Prozent der Autogewerkschaft UAW und zehn Prozent den alten Gläubigern. GM hatte lange auch den belgischen Finanzinvestor RHJ favorisiert. Damit wollten sich die Amerikaner die Möglichkeit offenhalten, Opel nach einer Sanierung zurückzukaufen. Nach Abschluss der Insolvenz waren in Detroit auch vermehrt Stimmen laut geworden, die sich für einen Verbleib von Opel aussprachen.

Nicht zuletzt galt es, diplomatische Hürden zu nehmen. Die deutsche Regierung hatte sich mit ihrem Votum für Magna früh festgelegt – und sich so auch auf die Seite der russischen Partner des Autozulieferers geschlagen. Dies stieß bei einigen GM-Verwaltungsräten auf wenig Gegenliebe. Die Sorge: GM verschenkt wichtiges Know-how an russische Investoren.

Was bedeutet die Entscheidung für Opel?

Magna will europaweit etwa 10 000 von insgesamt rund 50 000 Stellen abbauen. Alle vier deutschen Standorte sollen aber erhalten bleiben. Das belgische Werk in Antwerpen, wo Opel den Astra baut, soll dagegen dicht gemacht werden. Vier Märkte blieben dem neuen Opel-Unternehmen verschlossen: Kanada, die USA, Südkorea und China. Konkrete Aussagen, welche Sanierungsschritte in Bochum, Eisenach, Kaiserslautern und Rüsselsheim nun folgen, gab es am Donnerstag nicht. Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster sieht aber unter dem Dach von Magna gute Zukunftsaussichten. „Wir alle freuen uns, dass diese Lösung gefunden werden konnte und blicken der Zusammenarbeit mit Magna und General Motors mit Zuversicht entgegen“, sagte er. Magna biete hervorragende Möglichkeiten und Perspektiven, besonders im russischen Markt. "Aber es ist noch viel Detailarbeit notwendig, um den Weg erfolgreich zu Ende zu gehen", gab Forster zu bedenken. Mit dem größten Einzelaktionär GM werde es weiter eine enge Zusammenarbeit geben.