Financial Times Deutschland:

"Ja, es gibt bei Opel wirklich einen Durchbruch zu verkünden. Gratulieren darf man aber ausschließlich Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier. Ihnen wurde am Donnerstag das große Glück zuteil, dass der Autobauer nach monatelangem Hickhack kurz vor der Wahl gerettet scheint mit Betonung auf scheint. Die Zukunft des Autobauers bleibt auch nach dem Zuschlag für Magna ungewiss. Selbst wenn sich GM, Magna und die Opelaner auf Bedingungen für den Verkauf einigen, mit denen alle leben können: Die Überlebensfähigkeit von New Opel ... ist noch lange nicht gesichert. Einen sonderlich starken operativen Partner, wie Opel ihn eigentlich braucht, stellen weder Gaz noch Magna dar. Und die weitreichenden Zusicherungen zum Erhalt von Arbeitsplätzen und Werken könnten eine nötige Sanierung besonders schwierig machen."

Süddeutsche Zeitung: 

"Politisch also haben die Kanzlerin und ihr Herausforderer aus der SPD einen Sieg errungen. Der Verkauf an Magna und die Russen war zunächst eine Idee von Steinmeier und seinen Genossen, erst später machte Merkel sich diese zueigen. Ökonomisch allerdings kann die Causa Opel immer noch schief gehen - in den nächsten Monaten, aber auch noch später, in zwei, drei Jahren. Was ist, wenn die neuen Eigentümer tatsächlich Know-how aus Rüsselsheim absaugen und dieses nach Russland fließt? Und was ist, wenn die Autokrise sich in den nächsten Monaten weiter verschärft?

Frankfurter Allgemeine Zeitung :

"... Von Klarheit kann auch jetzt keine Rede sein. Erleichterung ist deshalb fehl am Platz, jedenfalls aus Sicht der deutschen Steuerzahler, die nun für eine Finanzierung in Höhe von 4,5 Milliarden Euro geradestehen müssen. Mittelfristig gilt das auch aus der Perspektive der Opel-Beschäftigten: Denn die Zusammenarbeit von Magna, Opel und GM ist nach wie vor mit der Schwierigkeit riesiger Überkapazitäten in der Autoindustrie konfrontiert. Der russische Automarkt, angeblich die große Hoffnung für die Zukunft, liegt am Boden. Der europäische Markt wurde von Abwrackprämien hochgepäppelt; einen Hersteller von Klein- und Mittelklasseautos wie Opel wird der Bumerang des Auslaufens der Prämie besonders treffen. Opel steht vor harten Jahren..."

Der Tagesspiegel: 
"Um Opel als einen Anbieter grüner Autos zu etablieren, sind massive Investitionen nötig. Um Opel als einen Hersteller von Billigwagen für Schwellenländer zu positionieren, sind die deutschen Standorte zu teuer. In diesem Dilemma stecken die Opelaner, und der gestrige Tag hat ihnen allenfalls eine Atempause geschenkt."

Stuttgarter Nachrichten: 

"Die Rechung, durch den Einstieg von Magna den ungeliebten, weit entfernten Eigentümer GM loszuwerden, ist nicht aufgegangen. GM wird weiter ein Großaktionär bleiben, der vehement eigene Interessen bei Opel verfolgt. Künftig werden mit Magna, der russischen Sberbank und den Mitarbeitern aber noch weitere Großaktionäre an Bord sein. Die Amerikaner werden eifersüchtig darüber wachen, dass ihre Technologie nicht an die Russen geht, die aber genau deshalb eingestiegen sind. Zoff der Eigentümer ist aber das Letzte, was Opel gebrauchen kann. Schon der Porsche-Piech-Streit hat gezeigt, dass Zoff unter den Eigentümern zwar für Unterhaltung in der Branche sorgt, das Unternehmen aber nicht wirklich weiterbringt."

Mannheimer Morgen: 

"Wenn GM nicht noch irgendwelche Finten versucht, dann geht es mit Opel endlich voran... Dem Vernehmen nach soll Opel allein 2009 einen Verlust von 2,4 Milliarden Euro erwarten und das bei einem Umsatz von 23 Milliarden Euro. Der Marktanteil von Opel in Deutschland sinkt. Der neue Hoffnungsträger Insignia ist zwar ein gutes Auto, wie allenthalben berichtet wird. Doch bei den Bestellzahlen kommt der Insignia bei weitem nicht an Konkurrenten wie den VW Passat heran. In Deutschland lagen auch Audi und Mercedes mit dem A4 und der C-Klasse vor dem neuen Opel-Top-Modell. Und ob es mit dem neuen Miteigentümer Magna samt russischen Partnern besser wird, ist fraglich."

Mitteldeutsche Zeitung:

"Die Sanierung von Opel, die Milliarden Euro kostet, ist für die Detroiter nicht zu stemmen. Ihr Konzept für Opel sah nach amerikanischem Vorbild vor, durch Werksschließungen und Entlassung zehntausender Mitarbeiter aus den roten Zahlen zu fahren. Wie ein Chirurg wollte GM ineffiziente Teile abtrennen. Das Konzept von Magna ist eher mit einer groß angelegten Schlankheitskur zu vergleichen, die den Konzern fit machen soll. Nach dem Konzept sollen rund 10.000 Jobs in Europa - davon 3000 in Deutschland - wegfallen und Produktionsteile stillgelegt werden. Die Schrumpfung gefährdet jedoch nicht der Kern des Unternehmens."

De Volkskrant, Niederlande: