Die drittgrößte deutsche Landesbank WestLB hat den sechsten Vorstandsvorsitzenden in sieben Jahren. Der Aufsichtsrat bestellt am Freitag erwartungsgemäß Dietrich Voigtländer zum neuen Bankchef, der die Landesbank schon seit knapp vier Monaten kommissarisch führt. Der fusionserfahrene Bankmanager soll die drastische Verkleinerung des Konzerns und den anstehenden Eigentümerwechsel meistern.

Auflagen der europäischen Wettbewerbshüter sehen vor, dass die WestLB um die Hälfte verkleinert werden muss und mehrheitlich bis Ende 2011 in neue Hände kommt. Die Sparkassen bevorzugen als WestLB-Mehrheitseigentümer eine Fusion im Lager der Landesbanken. Bei einem Bieterverfahren könnten auch private Investoren zum Zuge kommen. Der neue WestLB-Chef könnte unter Umständen auch der letzte sein.

Der 50-jährige Voigtländer ist Nachfolger von Heinz Hilgert, der Mitte Mai nach nur einem Jahr Amtszeit zurückgetreten war. Hilgert hatte diesen Schritt mit einer unzureichenden Unterstützung beim Bankumbau durch die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen begründet. Sie waren lange Zeit nicht bereit, weitere Milliarden-Garantien zu geben. Auf Druck der Bankenaufsicht BaFin änderte sich das Anfang Juni. Die Garantien durch alle WestLB-Eigentümer wurden auf neun Milliarden Euro fast verdoppelt. Größter Einzelaktionär der WestLB AG ist das Land NRW.

Die Eigentümer drängen auf eine zügige Lösung. Bis Ende 2009 soll die WestLB bei der Auslagerung von Papieren im Volumen von 80 Milliarden Euro vorankommen. Für die verbleibende Kernbank könnte dem Vernehmen nach bereits in einem Jahr ein Bieterverfahren gestartet werden.

Voigtländer war vor gut einem Jahr vom genossenschaftlichen Zentralinstitut DZ Bank in Frankfurt zur WestLB nach Düsseldorf gewechselt. Er startete hier als stellvertretender Vorstandschef. Voigtländer setzte in den vergangenen Monaten den Kurs seines Amtsvorgängers fort. Derzeit laufen intensive Gespräche mit dem Bankenrettungsfonds Soffin zur geplanten Auslagerung von Papieren. Die WestLB will als erste Bank in Deutschland die neuen Möglichkeiten zur Bildung einer Bad Bank mit Staatshilfe nutzen. Die WestLB hatte bereits Anfang 2008 risikoreiche Papiere im Volumen von 23 Milliarden Euro in eine Zweckgesellschaft ausgelagert. Wegen der Garantien der WestLB-Eigentümer wurde die Landesbank zu einem Fall für Brüssel.

"Mit seiner Durchsetzungskraft und seiner jahrzehntelangen Erfahrung und großen Kompetenz im Bankgeschäft sowie beim Zusammenschluss von Unternehmen wird Dietrich Voigtländer die Bank in eine gute Zukunft führen", sagt WestLB-Aufsichtsratschef Michael Breuer. Er sei der richtige Mann zur richtigen Zeit.