Bei der krisengeplagten Bank of America (BoA) sorgen ein Milliardenverlust sowie Millionenzahlungen an den scheidenden Konzernchef für neue Aufregung. Weil viele Amerikaner wegen der Wirtschaftskrise ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können, verlor das größte US-Finanzinstitut im dritten Quartal eine Milliarde Dollar. Vor einem Jahr stand noch ein Plus von gut einer Milliarde in den Büchern.

Die zuletzt von guten Quartalsergebnissen verwöhnten Aktienmärkte reagierten beiderseits des Atlantiks mit deutlichen Verlusten auf die enttäuschende Bilanz. In Frankfurt drehte der Dax deutlich ins Minus, nachdem er zuvor noch ein Jahreshoch erklommen hatte. In New York gaben die Titel der Bank of America 4,4 Prozent nach, auch die Aktien von Rivalen wie der Citigroup gaben nach. Diese hatte die Anleger am Donnerstag mit Kreditausfällen von acht Milliarden Dollar daran erinnert, dass die Nachwehen der Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden sind.

Branchenexperte Malcolm Polley von Steward Capital Advisors wies darauf hin, dass die BoA 60 Prozent ihrer Kredite an US-Verbraucher vergeben hat – auch in Form von Kreditkarten. "Die Verbraucher geben kaum Geld aus, und die Arbeitslosigkeit steigt. Das bedeutet Druck auf dem Geschäft mit Verbraucherkrediten." Insgesamt legte die BoA im vergangenen Vierteljahr 11,7 Milliarden Dollar für Kreditausfälle zurück. Das waren zwar 1,7 Milliarden Dollar weniger als im Frühjahr, aber mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr.

Die Investmentbanking-Sparte Merrill Lynch – in der Finanzmarktkrise das große Problemkind der BoA – leistete dagegen einen positiven Beitrag zum Geschäftsergebnis. Diesen Trend hatten in dieser Woche bereits mehrere US-Institute mit einem starken Investment-Banking vorgezeichnet: Goldman Sachs und JPMorgan verdienten dank der Rally an den Finanzmärkten prächtig und übertrumpften im Gegensatz zur BoA die Erwartungen.

Die BoA musste damit bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres ein Quartal mit einem Verlust abschließen. Am Jahresende 2008 stand erstmals seit 17 Jahren ein Minus in den Büchern. Im dritten Quartal 2008 hatte das Institut noch 1,2 Milliarden Dollar verdient. Auch mit den Einnahmen von 26,4 Milliarden Dollar blieb das Geldhaus im Sommer hinter den Erwartungen der Börsianer zurück. Die schwache BoA-Bilanz sorgte beiderseits des Atlantiks für deutliche Verluste an den Aktienbörsen. In Frankfurt drehte der Dax deutlich ins Minus, nachdem er zuvor noch ein Jahreshoch erklommen hatte.