Das ergibt sich aus einem "Gewinnreport" des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, der dem Handelsblatt vorliegt. Gefährlich ist die Entwicklung vor allem deshalb, weil damit die bisherige Jobsicherung per Kurzarbeit immer stärker in einen Konflikt mit der Finanzierung der Unternehmen zu geraten droht. Angesichts einer restriktiven Kreditpolitik der Banken könne der "Druck auf die Erträge" speziell für Firmen ohne direkte Zugänge zum Finanzmarkt "existenzielle Folgen haben", warnte Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser.

Zur Metall- und Elektroindustrie zählen die Schlüsselbranchen der Exportwirtschaft, vom Maschinenbau über die Autoindustrie bis zur Bahntechnik. Insgesamt handelt es sich um 23.000 Betriebe mit zusammen rund 3,5 Millionen Beschäftigten. Den neuen Daten zufolge erwartet der Industriezweig nun für 2009 eine durchschnittliche Umsatzrendite von minus 0,2 Prozent nach Steuern. Basis ist eine Sonderauswertung des Ifo-Konjunkturtests. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hatten dieselben Unternehmen nach vorläufiger Hochrechnung noch eine Umsatzrendite von 2,6 Prozent erzielt, im Boomjahr 2007 waren es 4,2 Prozent gewesen.

Wie kritisch die Lage ist, machte am Dienstag indirekt der schwäbische Vorzeige-Maschinenbauer Trumpf deutlich. Trumpf selbst hat das abgelaufene Geschäftsjahr 2008/09 zwar trotz heftiger Umsatzeinbrüche mit einem Gewinn abgeschlossen und kann zudem von einer starken Eigenkapitalbasis zehren. "Aber von unseren Kunden und Partnern höre ich, dass die Kreditfinanzierung von Investitionen schwieriger wird", berichtete Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller.

"Das ist für den Mittelstand eines der Haupthemmnisse für den Weg aus der Krise", warnte sie und appellierte an die "gesamtwirtschaftliche Verantwortung" der Kreditwirtschaft, "kleine und mittlere Unternehmen zu fairen Bedingungen mit Liquidität zu versorgen". Markante Folge einer restriktiven Kreditpolitik der Banken: Trumpf engagiert sich mit Hilfe der firmeneigenen Leasinggesellschaft stärker selbst in der Absatzfinanzierung und geht damit anstelle der Banken häufiger selbst für die Kunden ins Risiko.

Die drastischen Ertragseinbrüche haben wesentlich damit zu tun, dass die Industrie auf Produktionsrückgänge von durchschnittlich mehr als 25 Prozent bislang nur sehr zurückhaltend mit Personalabbau reagiert hat: Die Zahl der Beschäftigten sank binnen Jahresfrist um 4,9 Prozent – was spiegelbildlich zu einem explosionsartigen Anstieg der Lohnstückkosten führte. In der Konsequenz bleibe den Metall- und Elektrobetrieben damit "wenig Luft zur Finanzierung des laufenden Geschäfts und oft noch weniger für Investitionen", warnte Kannegiesser.

Zur Jahresmitte war laut Arbeitsagentur ein Viertel der Metallbeschäftigten auf Kurzarbeit. Spekulationen über ein drohendes Ende dieser Jobsicherung will Gesamtmetall indes nicht anheizen. Zwar sei Kurzarbeit für die Firmen trotz der gesetzlichen Lockerungen nach wie vor ein "teures" Instrument. Gerade dies aber zeige, "dass die Unternehmen von den langfristigen Chancen der Metall- und Elektroindustrie als der Technologiebranche schlechthin überzeugt sind". Speziell für diese Industrie sei aber die Stabilisierung der Finanzmärkte und der Zugang zu Fremdkapital wie zu Eigenkapital entscheidend.