Das Ringen um Quelle war vergeblich: 82 Jahre nach der Gründung steht das traditionsreiche Fürther Versandhaus mit seinen rund 10.500 Beschäftigten vor dem Aus. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sieht die Verantwortung dafür allein bei den zuständigen Banken: Sowohl die Valovisbank und die Commerzbank als auch die BayernLB hätten die Verhandlungen über die Finanzierung des Versandgeschäfts, das sogenannte Factoring, scheitern lassen.

Nun soll das Versandhaus Quelle in wenigen Wochen abgewickelt werden. "Wir müssen funktionsfähig bleiben für die nächsten vier bis sechs Wochen", sagte Görg. Die meisten der verbliebenen Mitarbeiter würden schon zum 1. November keinen Lohn mehr erhalten. "Wir werden uns sehr bemühen, einen geordneten Ausverkauf zu machen." 3000 bis 4000 weitere Menschen würden ihren Job verlieren. Genaue Zahlen könne er noch nicht nennen.

Bis zuletzt hatte Görg versucht, mit den Banken eine Eingung zu erzielen. Bereits zweimal – nach dem Insolvenzantrag im Juni und noch einmal Anfang September – hatte der erfahrene Insolvenzfachmann die Factoring-Vereinbarungen nur mit Mühe und staatlicher Hilfe verlängern können. Erst auf politischen Druck hin hatten Commerzbank und BayernLB Teile der mehr als 300 Millionen Euro schweren Finanzierung übernommen. Zuvor hatte Valovis das Factoring allein gemacht.

Nun aber konnte Görg mit den beteiligten Geldhäusern keine neue Finanzstrategie vereinbaren. Offenbar gab es grundsätzliche Differenzen darüber, wie lange die Zahlungen der Institute andauern sollten.

Commerzbank und BayernLB wollten sich offiziell nicht äußern. In ihrem Umfeld hieß es aber, die beiden Banken hätten lediglich die Überbrückungsfinanzierung sicherstellen wollen, um den Verkaufsprozess in Gang zu bringen. Die langfristige Neuordnung der Refinanzierung von Quelle wäre dagegen Sache des Käufers gewesen, hieß es. "Das kann nicht Sache der Banken sein", sagte eine mit dem Prozess vertraute Person.

Görg zufolge hätten die vier Quelle-Interessenten aber eine Einigung über den 1. Januar 2010 hinaus gefordert. Dies bestätigte indirekt auch Valovis, die Hausbank des Versandhändlers. "Wir haben immer gesagt, wie machen weiter, auch über den Jahreswechsel hinaus", sagte eine Sprecherin des Essener Geldhauses. Aber, so die Sprecherin weiter, auf keinen Fall allein. Damit schob sie die Verantwortung wiederum der Commerzbank und BayernLB zu.

Allerdings habe es "ernsthafte Verhandlungen mit einem Bieter nie gegeben", so die Valovis-Sprecherin. Die Investoren hätten offenbar keine tragfähige Lösung gefunden. Ein anderer Insider sagte, es sei vor allem unklar geblieben, wie viel Geld sie selbst in das kapitalintensive Geschäft einbringen wollten.