Es ist kalt am Tag danach. Die Stimmung vor dem Quelle-Kaufhaus in der Fürther Straße ist gedrückt. Keiner der Mitarbeiter will mehr protestieren, niemand macht seiner Wut Luft. Der Kampf ist vorbei.

"Es ist ein Drama", sagt eine junge Frau. Kamerateams haben sich vor dem Versandhaus in Nürnberg postiert. Einige Mitarbeiter drücken sich still an ihnen vorbei, andere geben Interviews. Acht, zehn, 30 Jahre lang waren viele für Quelle tätig. "Wir dachten, das ist eine Stelle fürs Leben", sagt eine Mitarbeiterin in die Mikrofone. Seit 15 Jahren arbeitet sie in der Verwaltung des Unternehmens. Jetzt muss sie sich darauf einstellen, ihren Job zu verlieren.

Viele haben von der Pleite ihrer Firma aus den Tagesthemen erfahren: Der Versandhändler Quelle mit seinen insgesamt 7000 Mitarbeitern sei am Ende, hieß es in den Nachrichten. Bis zum Ende der Angebotsfrist habe man keinen Investor gefunden, der bereit sei, die Quelle-Dachgesellschaft Primondo zu übernehmen, sagte der Insolvenzverwalter der Muttergesellschaft Arcandor, Klaus Hubert Görg.

Eigentlich wollte Görg den Versandhändler bis Ende Oktober – rechtzeitig zur Vorbereitung des Frühjahr-Sommer-Katalogs – verkaufen. Er sollte ein Gesamtpaket aus dem Universalversender und den profitablen Spezialversendern wie Baby Walz oder Hess Natur sowie dem Verkaufssender HSE24 werden. Am Ende, so räumt Görg nun ein, habe man sogar einen negativen Kaufpreis akzeptiert, um das Unternehmen am Leben zu halten. Doch keiner der Interessenten habe am Ende zugesagt.

Nun ist der größtmögliche Schaden für alle Beteiligten eingetreten. Für die Großaktionärin Madeleine Schickedanz, die Privatbank Sal. Oppenheim, vor allem aber für die Mitarbeiter des Unternehmens. Der ver.di-Handelsexperte Johann Rösch glaubt, dass nahezu alle Beschäftigten ihren Job verlieren werden. Insgesamt sind neben den 7000 Stellen bei Quelle weitere 3000 in Gefahr. Der Betriebsratschef von Quelle, Ernst Sindel, spricht von einer "Riesen-Katastrophe für die betroffenen Menschen und ihre Familien".