Die Quelle-Rettung ist gescheitert – für Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ein "schmerzlicher Vorgang". Im Juni hatte er sich bei einem Besuch der Quelle-Zentrale in Fürth mit dem neuen Herbst-/Winter-Katalog öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt. Zuvor hatte Bayern zusammen mit der Bundesregierung und Sachsen einen Massekredit über 50 Millionen Euro bewilligt. Das Unternehmen habe dadurch "eine Chance bekommen", hatte Seehofer verkündet – und sieht das Aus für Quelle jetzt nicht als eigene politische Niederlage. "Ich könnte heute nicht in den Spiegel schauen, wenn wir das in den letzten Monaten nicht getan hätten", sagte er am Dienstag in München. "Wir haben das Menschenmögliche getan."

Nun will sich der CSU-Chef für die Beschäftigten einsetzen. "Wir müssen gemeinsam – Politik, Insolvenzverwalter und Belegschaft – schauen, dass wir die Auswirkungen für die betroffenen Menschen so gering wie möglich halten." In einem Zukunftsplan für die Region Nürnberg/Fürth will die bayerische Staatsregierung ihre Maßnahmen konzentrieren. 

Die Strategie soll dabei laut dem CSU-Wirtschaftsexperten und früheren Parteichef Erwin Huber zweigleisig sein. Die eine Hälfte der Maßnahmen richte sich direkt an die Quelle-Mitarbeiter. Ihnen soll durch Weiterbildung und Qualifizierung geholfen werden. Das Programm würde zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit erstellt werden.

Zum anderen will die Staatsregierung moderne Technologien, Forschung und Entwicklung sowie die Verkehrsinfrastruktur in Nürnberg und Umgebung fördern. "Der Staat kann nicht direkt Arbeitsplätze schaffen, aber wir können ein Maßnahmenpaket schnüren, das neue Zukunftschancen im Raum Nürnberg/Fürth eröffnet", sagte Huber, der für den 12. November eine Tagung des Landtags-Wirtschaftsausschusses in Nürnberg angesetzt hat, um über die Hilfen zu beraten. In der Diskussion ist unter anderem ein auf Forschung spezialisierter "Energiecampus". Einen konkreten Plan dafür gibt es aber noch nicht.

Nicht nur zwischen Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und den verantwortlichen Banken, sondern auch in der bayerischen Politik begann unterdessen die Suche nach dem Schuldigen für das Quelle-Aus.

Die SPD gab Seehofer und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Mitschuld an der Pleite. Die CSU-Verschleppungstaktik habe ganz wesentlich zum Aus beigetragen, kritisierte der stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Thomas Beyer. "Das wochenlange Hin und Her zwischen den Herren Seehofer und Guttenberg hat dazu geführt, dass entscheidende Zeit versäumt wurde für die Fertigstellung des wichtigen Quelle-Winterkatalogs", sagte Beyer. Die massiven Umsatzeinbrüche bis zu 50 Prozent seien mit auf das verspätete Erscheinen des Winterkatalogs zurückzuführen. Davon habe sich Quelle nicht mehr erholt. "Da half es auch nichts, dass sich Seehofer dann stolz und publicityträchtig mit dem ersten Exemplar des frisch gedruckten Katalogs vor die Kameras stellte."

Huber wies diese Kritik zurück und nannte sie "abwegig". Die CSU-Führung sieht vor allem die Probleme des Mutterkonzerns als verantwortlich an. "Die Ursachen für diese Entwicklung liegen im Konkurs von Arcandor", sagte etwa Seehofer. Der Chef der CSU-Mittelstands-Union, Hans Michelbach, kritisierte die frühere Konzern-Führung. "Man muss natürlich sehen, dass Unternehmen, die vom Management ins Abseits geführt wurden, nicht unbedingt zum Schluss rettbar sind."