Allein für die Fahrgast-Entschädigung mit Freifahrten und besserem Service veranschlagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg am Donnerstag etwa 55 Millionen Euro. Das entspricht dem Gewinn, den die S-Bahn Berlin 2008 an den Mutterkonzern abführte. Die Gesamtbelastung für das laufende Geschäftsjahr der S-Bahn bezifferte Homburg mit mindestens 75 Millionen Euro. Der Konzern werde das Minus ausgleichen müssen.

Der Konzern lässt nun prüfen, ob Manager wegen unterbliebener Fahrzeugwartungen oder anderer Versäumnisse zivilrechtlich zur Kasse gebeten werden können. Auch strafrechtliche Schritte gegen Führungskräfte würden erwogen. Da nicht alle Vorgänge der Jahre 1999 bis 2009 in den Bahnarchiven lückenlos dokumentiert seien, würden in den nächsten Monaten mit Billigung des S-Bahn-Betriebsrates 50 bis 70 frühere und heutige Mitarbeiter befragt, sagte Homburg.

Die S-Bahn der Hauptstadt fährt werktags seit Juli nur noch eingeschränkt. Betroffen sind mehr als eine Million Fahrgäste. Wegen technischer Mängel an Radscheiben und Bremsen standen zeitweise drei Viertel der Züge still. Das hatte das Eisenbahn-Bundesamt angeordnet. Nach wie vor fallen Züge aus oder fahren mit Verspätung. Mitte Dezember sollen die Züge wieder nach dem regulären Fahrplan rollen, falls nicht neue schwere Mängel auftauchen.

Der Bruch einer Radscheibe an einem S-Bahnzug im Mai in Berlin-Kaulsdorf hatte das Desaster ausgelöst. Homburg verwies darauf, dass es bereits 2003 einen kompletten Riss einer Radscheibe gegeben habe. Zudem seien 2005 auch in der Konzernbeschaffung Hinweise aufgetaucht, dass die Radscheiben der modernsten Berliner S-Bahnzüge nicht dauerfest sind. "Es geht auch um die Frage, warum mit den Radscheiben so lange gefahren worden ist, obwohl es schon Erkenntnisse gab, dass mit ihnen etwas nicht in Ordnung ist," sagte Homburg. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits.