Der US-Internetkonzern Yahoo hat mit einem unerwartet starken Gewinnsprung die Serie guter Quartalszahlen in der IT-Branche fortgesetzt. Nach einem Jobabbau, deutlichen Einsparungen und Anteilsverkäufen hat sich der Überschuss im dritten Quartal auf 186 Millionen Dollar mehr als verdreifacht. Obwohl der Umsatz nochmals deutlich fiel, lag er über den Erwartungen.

Seit dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise vor einem Jahr strich der zuletzt schwer kriselnde Konzern rund 2000 Stellen. Nun arbeiten noch rund 13.200 Menschen für das Internetunternehmen. Zuletzt seien, wie angekündigt, wieder etwa 200 Menschen eingestellt worden, sagte Yahoo-Finanzchef Tim Morse.

Der Umsatz von Yahoo ging angesichts der Werbeflaute infolge der Wirtschaftskrise um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf knapp 1,6 Milliarden Dollar (1,1 Mrd Euro) zurück. Der Markt für Onlinewerbung, welcher die Haupteinnahmequelle von Yahoo ist, stabilisierte sich allerdings leicht. "Wir hatten ein solides Quartal, das zeigt, dass sich unsere wesentlichen Geschäfte stabilisieren", sagte Yahoo!-Chefin Carol Bartz.

Vor allem der Markt für sogenannte Display-Werbung wie beispielsweise Banner habe sich stärker als erwartet erholt, sagte Aaron Kessler, Analyst bei Kaufman Brothers in San Francisco, der Nachrichtenagentur Bloomberg. In diesem Werbesegment ist Yahoo stark aufgestellt und hat sogar im Vergleich mit Marktführer Google die Nase vorn. Vor allem größere Unternehmen vertrauten für ihre Vermarktung wieder auf Yahoo-Internet-Sites, sagte Morse.

Der Finanzchef räumte aber ein, dass die Bemühungen zur Neupositionierung von Yahoo noch ganz am Anfang stünden. Vor allem im Vergleich zum Branchenprimus Google sieht Yahoo schwach aus: Der Erzrivale legte gerade erst ein weiteres Quartal mit in der Krise beeindruckendem Wachstum hin. Yahoo sei aber zuversichtlich, mit seinen Investitionen neue Wachstumsmöglichkeiten zu erschließen, sobald sich die Wirtschaft erhole, sagte Morse.

Es sei jedoch noch immer schwer, etwas über die künftige Entwicklung des Portal-Betreibers zu sagen, meinte Kessler. "Die Frage ist auf längere Sicht wirklich: Mit was kann Yahoo wachsen?" Yahoo-Chefin Bartz setzt auf Marketingkampagnen, neue Webangebote wie "Yahoo Homepage" und den wachsenden Markt im Mittleren Osten.

Mit seinen Zahlen übertraf Yahoo die Marktschätzungen. Besonders der Gewinn und die Prognose für die kommenden Monate fielen deutlich höher aus. Für das laufende vierte Quartal erwartet Yahoo Umsätze zwischen 1,6 und 1,7 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis soll zwischen 135 und 155 Millionen Dollar liegen. Die Aktie legte im nachbörslichen US-Handel am Dienstagabend (Ortszeit) um gut sechs Prozent zu. Seit Jahresbeginn kletterte sie um rund 40 Prozent auf 17,17 Dollar.

Im Kampf gegen den Suchmaschinen-Marktführer Google hat sich Yahoo nach langem Hin und Her unter der Führung von Bartz mit Microsoft verbündet. Yahoo will künftig die Suchtechnologie von Microsoft nutzen.

Die Werbeeinnahmen, die mit der neuen Suchmaschine Bing des weltgrößten Softwarekonzerns über die Sites von Yahoo eingefahren werden, wollen sich die Unternehmen teilen. Yahoo erhofft sich von dem Deal auch, Kosten zu reduzieren. Die Allianz muss aber noch von den Wettbewerbshütern genehmigt werden. Zuvor hatte Microsoft über viele Monate hinweg erfolglos versucht, Yahoo ganz zu schlucken.