Die neuen Wohntürme im Osten Pekings sind nur spärlich erleuchtet. Immobilienmakler Zhang Chunhe zeigt auf die Gebäude. "Mindestens 30 Prozent der Wohnung stehen leer", sagt der 24-jährige im dunkelblauen Anzug, der die Apartments der Anlage "The Central" vermittelt. "Normalsterbliche können sie sich erst gar nicht leisten, und reiche Leute lassen sie einfach als Investition ruhen." Erst vergangene Woche hat Zhang eine rund 100 Quadratmeter Wohnung in der Anlage verkauft. Der Kunde bezahlte die knapp 300.000 Euro auf einmal, ohne Kredit.

Solche Käufer seien kein Einzelfall, sagt der Makler. Oft kaufen sie gleich mehrere Wohnungen. "Aber Kunden mit mittlerem Einkommen sind jetzt sehr zögerlich", sagt der junge Mann, "sie haben Sorge, sich mit einem Kredit zu übernehmen".

Chinas Mittelschicht – je nach Definition rund 10 bis 20 Prozent der 1,3 Milliarden Bevölkerung – plagen Abstiegsängste. Die Wachstumskennziffern der Volksrepublik zeigen wieder nach steil nach oben, doch sie profitieren nicht davon. Im Gegenteil: das knapp 460-Euro-Konjunkturpaket der Regierung ist über Bankenkredite zu einem großen Teil als Investitionen in den Immobiliensektor geflossen. Der Bauboom bildet den Motor der Wirtschaftserholung in der Volksrepublik. Es wächst die Sorge, in China könnte eine neue Blase entstehen.

Allein in der Hauptstadt Peking sind die Immobilienpreise in den ersten sechs Monaten des Jahres 2009 um 30 Prozent gestiegen. Ein Quadratmeter im Zentrum, innerhalb des sogenannten vierten Rings, kostete im Oktober rund 2000 Euro. In 70 chinesischen großen Städten zogen Preise für Gebäudeflächen im Oktober um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. Analysten warnen vor den Gefahren. Auch Chinas Zentralbank hat Ende November ungewöhnlich deutlich vor einer Überhitzung des Immobiliensektors gewarnt, welche die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Im Boom erhöht der Staat die Preise für Wasser, Strom und Gas. Nicht nur Analysten, sondern auch die Angestellten sehen das mit Sorge als Vorbote einer heranrollenden Inflation. Im Oktober ist der Konsumpreisindex (CPI) zwar noch um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Analysten der Standard Charter Bank rechnen jedoch mit einem Wachstum des CPI ab November. Für 2010 prognostizieren sie einen Preisanstieg von rund vier Prozent.