Der Ton in der Diskussion um die Zukunft des Nachrichtensenders N24 wird schärfer. Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 hat angekündigt, bei seinem Infokanal N24 durchzugreifen. "Wir prüfen alles, wobei Schließen im Moment nicht zur Debatte steht. Aber ein Verkauf gehört dazu, auch eine Optimierung der derzeitigen Form von N 24 bis hin zu einer völligen inhaltlichen Neuausrichtung", sagte Konzernchef Thomas Ebeling der Süddeutschen Zeitung.

Nachrichten seien für die Gruppe derzeit ein Zuschussgeschäft und stünden bei vielen Zuschauern nicht so hoch in der Gunst. "Nachrichten sind vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern", sagte der im Frühjahr angetretene Manager.

Schließen wolle er den Sender allerdings nicht. Wie es mit N24 weitergehe, werde "nicht vor Februar oder März" entschieden.

Der Betriebsrat reagierte am Freitag umgehend auf die Aussagen des Konzernchefs. In einem offenen Brief an die Mitarbeiter werfen die Arbeitnehmervertreter dem Unternehmen vor, die Angestellten für Fehler büßen zu lassen, die sie nicht zu verantworten haben. "Mit Nachrichten lässt sich schwer Geld verdienen. Das gilt natürlich auch für N24 und war den Verantwortlichen bereits bei der Gründung bewusst", hieß es in der Mitteilung. "Jetzt sollen die Kolleginnen und Kollegen bluten, die jahrelang einen hervorragenden Job gemacht haben, und zwar für die Entscheidungen von Heuschrecken und Management."

Die von den beiden Finanzinvestoren KKR und Permira kontrollierte Sendergruppe fährt angesichts der Werbekrise bereits seit Jahresbeginn einen harten Sparkurs. So wurde beispielsweise Sat.1 von Berlin an den Konzernsitz nach München geholt. Insgesamt, so der Plan, sollten die Kosten konzernweit um 200 Millionen Euro gedrückt werden. Das Ziel wurde aber bereits in den ersten neun Monaten nahezu erreicht. Ebeling rechnet damit, dass der TV-Werbemarkt sich erst 2011 wieder erholen wird – in diesem Jahr werde er noch um 14 Prozent einbrechen.

N24 produziert derzeit in der Hauptstadt, von Umzugsplänen nach München ist bislang nicht die Rede. Allerdings hat der Sender erst vor wenigen Monaten einen kostenintensiven Umzug innerhalb Berlins vorgenommen.