Wer wissen will, wer die Gönner deutscher Parteien sind, muss Geduld haben. Zwar müssen laut Gesetz Spenden über 50.000 Euro unverzüglich dem Bundestagspräsidenten gemeldet werden, der diese "zeitnah" veröffentlichen soll. In der Realität kann das aber einige Wochen dauern. Noch mehr Zeit verstreicht, bis der Bürger von Spenden zwischen 10.000 und 50.000 Euro erfährt. Diese tauchen oft erst zwei Jahre später in den Rechenschaftsberichten der Parteien auf. Das erschwere die Korruptionsbekämpfung, kritisierte die Staatengruppe gegen Korruption des Europarats erst vor wenigen Tagen.

Nun legen die Wahlbeobachter der Organisation für Zusammenarbeit und Sicherheit in Europa (OSZE) nach: In ihrem Bericht zur Bundestagswahl bemängeln sie, Deutschland veröffentliche viele Parteispenden deutlich zu langsam. Dadurch würden Spenden, die im Bundestagswahlkampf gezahlt wurden, erst im Jahr 2011 öffentlich – nach Ansicht der Beobachter zu spät. Zugleich seien die Informationen zu schlecht aufbereitet. Das erschwere die Recherche der Bürger.

Tatsächlich ist es alles andere als leicht, nach Großspenden für Parteien im Netz zu suchen. Die Spenden werden monatsweise veröffentlicht, eine Jahresübersicht fehlt. "Im Informationszeitalter ist es schwer verständlich, warum Großspenden über 50.000 Euro nicht 48 Stunden nach ihrem Eingang auf der Website des Deutschen Bundestages veröffentlicht werden können", sagt Jochen Bäumel, Vorstand von Transparency International Deutschland.

Der letzte verfügbare Bericht über Partei-Großspenden, der im Netz zu finden ist, datiert vom Oktober. Darin sind insgesamt vier Großspenden vermerkt – allesamt für die Regierungsparteien CDU und FDP. Demzufolge erhielt die Union im Oktober 150.000 Euro von Susanne Klatten, der Unternehmerin aus der Quandt-Dynastie. Weitere 300.000 Euro bekam die Union von Stefan und Johanna Quandt, den Großaktionären von BMW, überwiesen.

In dem Bericht ist auch eine Spende der Düsseldorfer Finanzierungsgesellschaft Substantia AG für die FDP über die Summe von 300.000 Euro vermerkt. Bereits im April hatte das Unternehmen den Liberalen mit 250.000 Euro geholfen. Der Stern hatte daraufhin berichtet, die Gesellschaft gehöre der Münchener Firma Vercura, die sich wiederum im Besitz des Multimilliardärs August von Finck befinde. Finck hatte nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung kurz vor der bayrischen Landtagswahl im September 2008 die CSU mit zwei Großspenden in Höhe von 430.000 und 390.000 Euro unterstützt.

Aus den Berichten des Bundestagspräsidenten lässt sich auch herauslesen, dass die FDP seit dem Ausbruch der Krise im September 2008 rund 1,25 Millionen Euro an Parteispenden erhalten hat – mehr als jede andere Partei im Bundestag. Insgesamt konnten Union und FDP in dem Jahr vor der Bundestagswahl von Großspenden in Höhe von 2,83 Millionen Euro profitieren.