Am Montag will die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) mit ihren Streiks beginnen. Vier Tage lang hat sie mehr als 4000 Kapitäne und Co-Piloten zum Ausstand aufgerufen, um im Tarifstreit mit der Lufthansa Druck zu machen. Es wäre der größte Streik in der Geschichte der Fluglinie. Für die Fluggäste würde der Ausstand erhebliche Auswirkungen haben: Statt täglich 1800 Flügen sollen nach Planung der Lufthansa im Streikfall zwischen Montag und Donnerstag nur 1000 Flieger abheben. 3200 Flüge würden binnen vier Tagen gestrichen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer rief deshalb am Sonntag beide Parteien auf, weiter zu verhandeln, um den Streik zu verhindern. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sprach von einem "Irrweg" und rief dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren 

Der Streit dreht sich nach Angaben der Gewerkschaft vor allem um die Arbeitsplatzsicherheit der rund 4500 Piloten, die in den Geltungsbereich des Konzerntarifvertrags fallen. Sie verlangen einen vertraglichen Schutz vor der Verlagerung von Flügen in kostengünstigere Tochterfirmen des Konzerns. Die Lufthansa sieht darin einen Eingriff in ihre unternehmerische Freiheit und will nur über Jobgarantien für die bereits beschäftigten Piloten verhandeln.

"Ein vernünftiger Kompromiss muss her", sagte Ramsauer der Bild am Sonntag: "Ich appelliere deshalb eindringlich an die Vernunft der Verhandlungsführer von Lufthansa und Cockpit, noch vor Streikbeginn an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Keiner darf mit seinen Forderungen abheben." Hundt nannte den Streik in der Welt am Sonntag einen unzulässigen Eingriff in die Unternehmerfreiheit mit Konsequenzen weit über die Lufthansa hinaus. "Ich fordere die Vereinigung Cockpit auf, ihren gefährlichen Irrweg zu verlassen und sofort an den Verhandlungstisch zurückzukehren", sagte er.

VC-Sprecher Alexander Gerhard-Madjidi verteidigte den Arbeitskampf als verhältnismäßig: "Das ist alles juristisch überprüft. Wir wollen ein Zeichen setzen und zügig zu einer Lösung kommen." Die Gewerkschaft will dazu ein Gespräch auf Spitzenebene mit Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber führen. Cockpit habe der Fluglinie ein entsprechendes Angebot unterbreitet, sagte der VC-Sprecher Jörg Handwerg. Es gebe "deutliche Missverständnisse" über die Forderungen der Piloten. Diese könnten nur in direktem Gespräch mit dem Konzernchef aufgeklärt werden.

Eine Sprecherin der Lufthansa sagte dazu, das Luftfahrtunternehmen habe mehrfach seine Bereitschaft signalisiert. Dazu gehöre auch das Angebot, Verhandlungen auf Spitzenebene zu führen. Zuvor war ein solches Gespräch noch gescheitert. Lufthansa habe konstruktive Vorschläge gemacht, um eine Einigung im Tarifkonflikt herbeizuführen, erklärte Konzernsprecher Andreas Bartels: "Wir sind auf die Vereinigung Cockpit zugegangen." Die Gewerkschaft habe das Angebot aber nicht angenommen.

Die Flughäfen bereiten sich derweil auf den Streik vor. Auch die Konkurrenz reagiert: Die Bahn stellt sich auf volle Züge auf den Hauptstrecken ein, während Autovermieter ihre Flotten auf die Flughäfen konzentrierten. Auch Lufthansa-Konkurrenten wie Ryanair oder Air Berlin warben um Umsteiger.

Die Lufthansa bot den Kunden kulante Umbuchungsmöglichkeiten an. Die ebenfalls bestreikte Tochtergesellschaft Germanwings hat bereits angekündigt, an den vier Streiktagen rund 400 ihrer 600 geplanten Flüge zu absolvieren. Die Lufthansa will ihre Piloten aus dem Management einsetzen und wahrscheinlich in erster Linie die lukrativen Überseeverbindungen aufrechterhalten.

Am Frankfurt Flughafen sei in enger Absprache mit der Lufthansa ein detaillierter Abstellplan für nicht genutzte Flugzeuge erstellt worden, erklärte der Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport, Jürgen Harrer. Der Flughafen habe ausreichend Flächen zur Verfügung, sodass der übrige Verkehr reibungslos abgewickelt werden könne. Dies sei das oberste Ziel von Fraport. Laut Fraport entfällt etwa die Hälfte der täglich rund 1300 Flugbewegungen in Frankfurt auf den Großkunden Lufthansa.

Im Inland sollen die Kunden vor allem auf die Deutsche Bahn ausweichen, die nach Einschätzung ihrer Gewerkschaft Transnet aber derzeit auch nur sehr wenig Fernverkehrskapazitäten anbieten kann. Sie bereitet sich aber nach eigenen Angaben für einen größeren Andrang in ihren Zügen vor. Sollte es zu Engpässen kommen, sollen kurzfristig einzelne Zusatzzüge eingesetzt werden.

Die ebenfalls bestreikte Tochtergesellschaft Germanwings hat bereits angekündigt, in den vier Tagen rund 400 ihrer 600 geplanten Flüge zu absolvieren.