Die Berliner S-Bahn verliert als Konsequenz aus der monatelangen Pannenserie ihre Sonderstellung im Mutterkonzern: Wie die Deutsche Bahn mitteilte, werden bundesweit alle S-Bahnen – auch die in Hamburg – unter einem Dach zusammengefasst und somit auch die Tochtergesellschaft zum 1. März ins Geschäftsfeld Regionalverkehr eingegliedert.

Die Bahn will so verhindern, dass sich ein Chaos wie in Berlin nicht wiederholt. Dafür hat sie die S-Bahn durch die Vereinheitlichung der Qualitäts- und Sicherheitsstandards nun näher an den Konzern gebunden. So kann sie das Tochterunternehmen besser beaufsichtigen.

Zugleich informierte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg über einen Untersuchungsbericht externer Experten, den die Bahn bei der Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG und einer Anwaltskanzlei in Auftrag gegeben hatte, nachdem Wartungsmängel an Bremsen der S-Bahn bekanntgeworden waren. Demnach sind Fahrzeugmängel und systematische Managementfehler für die seit Monaten andauernden Technikprobleme der S-Bahn verantwortlich.

Wesentliche Ursachen der Missstände liegen laut dem Bericht "in gravierenden konstruktiven Fahrzeugmängeln sowie in erheblichen Organisationsdefiziten der S-Bahn". Insbesondere bei Beschaffung und Wartung der reparaturanfälligen Baureihe 481/482 seien große Defizite festgestellt worden. So seien im Jahr 2005 Testfahrten oder deren Messergebnisse manipuliert worden.

Die Vorwürfe reichten bis in das Jahr 2002 zurück, hieß es. Mitverantwortlich für das Chaos sei zudem der Zughersteller Bombardier, der in der Vergangenheit mangelhafte Züge geliefert habe. Laut Medienberichten könnten die gesamten Kosten zur Bewältigung der S-Bahn-Krise bis Ende des Jahres auf 350 Millionen Euro steigen. Für Schadensbeseitigung und Entschädigungen wurden 2009 bereits 156 Millionen Euro ausgegeben.

Die Bahn übergab ihre Erkenntnisse auch der Staatsanwaltschaft. Damit macht sie mit ihrer Ankündigung ernst, wonach sie sich arbeits- und zivilrechtliche Schritte vorbehalte. Beobachter rechnen damit, dass verantwortliche Manager der S-Bahn, die bislang nur vom Dienst suspendiert oder versetzt waren, ihren Job verlieren.

Bereits im vergangenen Juli wurde die Unternehmensleitung komplett ausgewechselt. Alle vier Geschäftsführer, an der Spitze Tobias Heinemann, verloren ihre Posten, blieben aber im Bahnkonzern. Nach wie vor im Amt ist S-Bahn-Aufsichtsratschef Hermann Graf von der Schulenburg. Er wird auch von S-Bahn-Mitarbeitern für das Desaster mitverantwortlich gemacht.