Bislang galt die Biokette Alnatura als Vorzeigeunternehmen. Jetzt räumte es ein, teilweise untertariflich zu bezahlen. Vor allem das Einstiegsgehalt ungelernter Mitarbeiter könne unter dem Tariflohn liegen, sagte die Sprecherin der Alnatura GmbH, Manon Haccius. Hingegen würden Lehrlinge und leistungsstarke Mitarbeiter deutlich besser bezahlt. Haccius bestätigte damit einen Bericht der taz . "Wir orientieren uns am Tarifvertrag – aber wir entsprechen dem Tarifvertrag nicht in jedem Detail."

Die taz berichtete, die größte deutsche Biomarktkette Alnatura bezahle einer Kassiererin einer Filiale in Berlin-Kreuzberg einen Stundenlohn von 9,73 Euro und damit 33 Prozent weniger als den tariflich vereinbarten Mindestlohn. Selbst wenn man die Extraleistungen Gewinnbeteiligung, Urlaubs- und Weihnachtsgeld einbezieht, gehe die Alnatura-Kassiererin für die gleiche Arbeit mit rund 19 Prozent weniger Geld nach Hause als eine nach Tarif bezahlte Kollegin.

"Das kann im Einzelfall sein", sagte Haccius. "Wir haben uns ein System für die Einkommensgestaltung überlegt, das wir für angemessen halten." Das System habe zwölf Stufen und sei stark an der Kompetenz und den Leistungen der Mitarbeiter orientiert.

Statt Tariflöhnen erhielten die Alnatura-Mitarbeiter Yoga-Kurse, schreibt das Blatt und zitiert Firmen-Chef und -gründer Götz Rehn: "Wir haben eine Bieneninitiative. Wir haben Theatergruppen. Wir haben einen Chor. Wir haben die Yoga-Gruppe. Wir haben Winterseminare. Das bedeutet ja alles eine Erhöhung des Gehalts." Alnatura müsse sich daher nichts vorwerfen lassen.

Die Alnatura GmbH betreibt 55 Natur-Supermärkte in 35 Städten und 9 Bundesländern. Im Geschäftsjahr 2008/2009 betrug der Umsatz 361 Millionen Euro, ein Plus von 18 Prozent zum Vorjahr.