Deutschland hat im Krisenjahr 2009 bei den Arbeitskosten temporär an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Je Stunde mussten Arbeitgeber im Schnitt mit 30,90 Euro 4,1 Prozent mehr zahlen als vor Jahresfrist, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Im gesamten Euro-Gebiet lag der Kostenanstieg dagegen lediglich bei 2,7 Prozent. Insgesamt liegt Deutschland im Vergleich an achter Stelle, deutlich hinter den teuersten Ländern Dänemark und Belgien, aber weit vor den Euro-Sorgenländern Griechenland, Spanien und Portugal. Die Arbeitnehmer in Deutschland profitieren vom Kostenanstieg jedoch nicht: Sie mussten 2009 erneut Reallohnverluste hinnehmen.

Der Grund des Anstiegs der Arbeitskosten in Deutschland ist der starke Rückgang der Arbeitszeiten: Viele Unternehmen versuchten, Entlassungen durch den Abbau von Überstunden oder den Einsatz der Kurzarbeit zu vermeiden. In der gesamten EU verbilligte sich Arbeit hingegen um 0,6 Prozent. Dabei spielte nach Angaben der Statistiker eine Rolle, dass in vielen Ländern, die nicht dem Euro-Raum angehören, die Währungen zum Teil stark abgewertet wurden.

Der Anstieg in Deutschland ist jedoch lediglich ein temporärer Effekt. "Sobald die Kurzarbeit ausläuft und auch der Abbau von Überstunden abnimmt, sinken die Arbeitskosten wieder", sagte Arbeitskosten-Experte Ralf Droßard vom Statistischen Bundesamt. Die Entwicklung im Krisenjahr sei nicht nachhaltig. "Wer entlässt, wie zum Beispiel Spanien, bei dem steigen natürlich auch nicht die Arbeitskosten."

Bei langfristiger Betrachtung zeige sich eine "eindeutige Tendenz zur Konvergenz" innerhalb der EU, so Droßard weiter. EU-Länder mit sehr niedrigen Arbeitskosten wiesen sehr hohe Steigerungsraten auf. In Deutschland seien die Arbeitskosten dagegen nur sehr moderat gestiegen.

In den vergangenen Jahren hatte Deutschlands Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert, das kommt vor allem der Exportwirtschaft zugute. Zuletzt hatte Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde Deutschlands Exportüberschüsse für Ungleichgewichte in der Euro-Zone verantwortlich gemacht und gefordert, die Binnenwirtschaft zu stärken.

Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht die deutsche Exportstärke in Verbindung mit dem seit Jahren vor sich hindümpelnden Privatkonsum kritisch: "Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Deutschland die Schieflage in der Währungsunion mit verursacht hat." Die Deutschen konsumierten in etwa so viel wie vor zehn Jahren, zugleich habe das Land im selben Zeitraum den Export um die Hälfte gesteigert. Dieses Modell sei für die anderen Euro-Zonen-Staaten kein Vorbild, sondern wirke kontraproduktiv: "Es ist daher absurd, Deutschland als Wachstumslokomotive zu bezeichnen."