Der Auftragseingang in der deutschen Industrie legte im Januar um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Einen so kräftigen Anstieg hatte es zuletzt im Juni 2007 gegeben, einen noch stärkeren im Dezember 2004 mit 6,6 Prozent. Das Ministerium wertete dies nach der Flaute in den Vormonaten als "Indiz für die Fortsetzung der Erholung der Industrie". Analysten hatten nur ein Plus von 1,5 Prozent erwartet. Das Minus im Dezember fiel zudem mit 1,6 Prozent geringer aus als zunächst mit 2,3 Prozent ermittelt.

Damit steigen die Chancen, dass die Wirtschaft ihre Stagnationsphase beendet. "Die Industrie bringt uns im ersten Quartal wieder auf Wachstumskurs", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Ende 2009 war die Erholung ins Stocken geraten, weil der private Konsum und die Investitionen schrumpften. Allerdings werde das Wachstum nur moderat ausfallen, weil Schnee und Frost die Bauproduktion stark behinderten. Für eine Trendwende am Arbeitsmarkt reiche das nicht aus. "Industriearbeitsplätze werden erst am Jahresende entstehen", sagte Treier.

Für den guten Jahresauftakt sorgten überdurchschnittlich viele Großaufträge – vor allem aus dem Inland. Dadurch erhöhten sich die Bestellungen aus Deutschland um 7,1 Prozent. Begünstigt wurde das gute Ergebnis von einem Kalendereffekt. "Der Januar hatte schlicht deutlich mehr Arbeitstage als der Dezember", sagte Commerzbank-Experte Simon Junker. Die Auslandsnachfrage zog um 1,9 Prozent an, weil vor allem die anderen Euro-Länder wieder mehr Waren "Made in Germany" bestellten. Die Währungsunion ist der wichtigste deutsche Exportmarkt.

Die gesamten Bestellungen lagen um 16,1 Prozent über dem Niveau von Januar 2009. Allerdings hatte die Industrie im Krisenjahr 2009 wegen der weltweiten Finanzkrise zeitweise Einbrüche von deutlich mehr als 30 Prozent verkraften müssen.

Die Erholung dürfte sich in den kommenden Monaten fortsetzen. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie erreichte im Februar das höchste Niveau seit Mitte 2007. Auch die vom Ifo-Institut befragten Industriemanager schätzten sowohl die Lage als auch die Aussichten für die nächsten Monate zuletzt besser ein. Dabei spielte der schwächere Euro eine Rolle, der Ausfuhren in andere Währungsräume verbilligt und deutsche Produkte damit attraktiver macht.

Auftragszuwächse meldeten alle drei großen Industriesparten. Besonders gefragt waren Vorleistungsgüter wie Metalle, die im Produktionsprozess verbraucht, verarbeitet und umgewandelt werden. Hier gab es ein Plus von 6,0 Prozent. Bei Investitionsgütern wie Maschinen, Anlagen und Fahrzeugen zogen die Bestellungen um 3,7 Prozent an. Die Hersteller von Konsumgütern erhielten 0,4 Prozent mehr Aufträge.