Scoring-Novelle heißt die jüngste Neuerung im Bundesdatenschutzgesetz, die am 1. April in Kraft getreten ist. Jetzt haben Verbraucher einen Anspruch darauf, einmal im Jahr eine kostenlose Auskunft von Unternehmen wie Schufa, Avator Infoscore oder der Creditreform zu erhalten. Die Unternehmen sammeln personenbezogene Daten und errechnen aus diesen einen Kreditwürdigkeitswert, der wiederum an Unternehmen, die Kunden der Auskunfteien sind, weitergegeben wird. Wie dieser Score zustande kommt, war bislang das Geschäftsgeheimnis der Auskunfteien. Mit der Novelle wird das Geheimnis gelüftet: Die Unternehmen müssen jetzt auch mitteilen, wie sie den Wert berechnet haben.

"Die Auskunfteien müssen mitteilen, welche Daten sie gespeichert haben, wie sie neue generiert haben und an wen sie diese weitergeleitet haben. Das schafft deutlich mehr Transparenz", sagt Falk Lüke, Referent für Verbraucherrechte in der digitalen Welt beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Novellierung betrifft vor allem den Paragraf 34 des Bundesdatenschutzgesetzes, in dem das Auskunftsrecht geregelt ist.

Einen Anspruch auf eine allgemeine Auskunft gab es auch schon vorher. Allerdings stellten die Unternehmen diese den Verbrauchern häufig in Rechnung. Bei der Schufa beispielsweise kostete sie 7,80 Euro. "Die Unternehmen haben diese Kosten meist mit der sogenannten wirtschaftlichen Verwertbarkeit dieser Daten begründet", sagt Lüke. Der Datenschutzexperte bezeichnet die Novellierung als Schritt in Richtung eines "umgekehrten Datenbriefes". Nach wie vor müsse sich der Bürger jedoch aktiv an jedes einzelne Unternehmen wenden. Automatisch gibt es keine Auskunft.

Einen Automatismus fordert unter anderem der Chaos Computer Club: Dessen Lieblingsidee, der Datenbrief, sieht vor, dass alle Unternehmen, die personenbezogene Daten von Verbrauchern speichern und nutzen, automatisch einmal im Jahr mitteilen, welche Daten sie nutzen. Für den Chaos Computer Club wäre das digitales Bürgerrecht. Die Bürger müssten sich um nichts weiter kümmern – außer falsche Daten anzumahnen und ihre Löschung zu veranlassen.

Ein Datenbrief, zu dem sich bereits Innenminister Thomas de Maizière Ende Februar positiv äußerte, sei ein unermesslicher bürokratischer Aufwand, argumentieren dagegen die betroffenen Unternehmen. Schon als die jetzt in Kraft getretene Novellierung im vergangenen Mai beschlossen wurde, bezeichnete die Schufa Holding AG die Änderung als "bürokratischen Mehraufwand". "Transparenz als eigentliches Ziel des Gesetzgebers kann auch anders erreicht werden", kritisierte Schufa-Chef Rainer Neumann. "Das Gesetz geht über europäisches Recht hinaus und beschert deutschen Unternehmen einen Standortnachteil."

Aus Sicht des Marktführers unter den Auskunfteien in Deutschland werde mit der Novellierung auch nicht definiert, welche Unternehmen genau eine Auskunftei seien. "Im Sinne der Verbraucher würden wir eine gesetzliche Regelung über die Zulassung von Auskunfteien und ein übergeordnetes Internetportal mit einer Übersicht über alle zugelassenen Auskunfteien sehr begrüßen", sagte Neumann.

Die Branche ist schon heute kaum überschaubar. Auf rund 500 Unternehmen, die als Auskunftei eigentlich meldepflichtig seien, schätzt die Schufa den Markt. Eine exakte Zahl gibt es nicht. Und noch intransparenter ist der Datenstrom. Gerade dann, wenn falsche Daten in Umlauf kommen – sei es durch Datenmissbrauch oder reine Schlamperei bei den Auskunfteien – können die Folgen für die Verbraucher fatal sein: Bankkredite werden nicht genehmigt, Handyverträge können nicht abgeschlossen, Mietverträge nicht unterschrieben werden. "Die Folgen für den einzelnen können hart sein. Gerade darum ist die Novellierung gut für mehr Transparenz. So müssen die Scorewerte jetzt nach wissenschaftlichen Kriterien berechnet werden", sagt Falk Lüke. Problematisch sei aber, dass der Gesetzgeber noch nicht definiert habe, was genau wissenschaftliche Kriterien zur Berechnung von Bonitätswerten seien.