Seit Tagen sorgt eine Serie von Selbstmorden unter den Beschäftigten des weltweit größten Elektronik-Herstellers Foxconn in Südchina für Schlagzeilen. Nun sprang ein weiterer Mitarbeiter vom Balkon eines Wohnheimes in den Tod, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Das aus Taiwan stammende Unternehmen Foxconn beliefert Computerkonzerne wie Apple, Hewlett-Packard, Dell oder Sony.

Der Vorfall passierte kurz nach einem Besuch des Chefs der Hon-Hai-Gruppe, zu der Foxconn gehört. Er hatte Journalisten durch die Fabrik geführt, um die Vorwürfe über schlechte Arbeitsbedingungen zu entkräften.

Neben Apple und Hewlett-Packard will nun auch der US-Computerbauer Dell die Arbeitsbedingungen bei seinem Zulieferer unter die Lupe nehmen und, wenn nötig, "angemessene Maßnahmen" ergreifen. "Wir erwarten von unseren Zulieferern die gleichen hohen Standards wie in unseren eigenen Werken", sagte eine Konzernsprecherin.
Seit Jahresanfang gab es in der Fabrik zehn Selbstmorde. Zwei Mitarbeiter waren außerdem schwer verletzt worden, als sie sich ebenfalls von Gebäuden stürzten. Arbeitsrechtler beklagen einen hohen Druck, einen "militärischen" Management-Stil sowie schlechte Bezahlung in dem Unternehmen.

Einem Pressebericht zufolge greift Foxconn inzwischen zu drastischen Mitteln, um Selbstmorde unter seinen Arbeitnehmern zu verhindern. So mussten sich die rund 300.000 Beschäftigten des Konzerns schriftlich verpflichten, sich nicht selbst zu töten. "Ich verspreche, mich oder andere niemals in einer extremen Form zu verletzen", heißt es in dem Schreiben, dass die chinesische Zeitung Southern Metropolis Daily abdruckte. Gleichzeitig erlauben die Mitarbeiter dem Unternehmen mit ihre Unterschrift zudem, sie "zum eigenen Schutz oder dem anderer" in eine psychiatrische Klinik zu schicken, sollten sie in einer "anormalen geistigen oder körperlichen Verfassung sein". Gebäude des Unternehmens wurden angeblich mit Netzen verhängt, um Todesstürze zu verhindern.

Einige Arbeiteraktivisten in Hongkong haben bereits zum Boykott des neuen iPhones aufgerufen, das bei dem Unternehmen hergestellt wird.