Neue Hoffnung für die insolvente Warenhauskette Karstadt: Mit dem Steuerverzicht der Stadt Köln sind die Chancen für einen Erhalt des ums Überleben kämpfenden Unternehmens weiter gestiegen. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hatte insgesamt 94 Kommunen aufgefordert, bis Dienstagmittag zur Rettung der Warenhauskette auf Gewerbesteuern von zusammen bis zu 140 Millionen Euro zu verzichten. Nur vier der Gemeinden mit Karstadt-Warenhäusern hätten dies definitiv abgelehnt, sagte ein Sprecher Görgs.

Damit der Insolvenzplan in Kraft treten kann, ist eine Zustimmungsquote von 98 Prozent der Forderungen der Kommunen notwendig, die nun knapp erfüllt sei. Von Köln hing dabei viel ab , da die Stadt mit ihren hohen Karstadt-Umsätzen alleine die zwei Prozent Spielraum überschreiten würde.

Eine Unsicherheit bleibt aber: Elf der Städte hätten ihre Verzichtsbescheide um politische Erklärungen ergänzt. Sie pochten auf Standorte, Arbeitsplätze oder Einhaltung des EU-Rechts, sagte der Sprecher. Nun will der Insolvenzverwalter klären, ob der Steuerverzicht damit gültig ist und der Insolvenzplan somit inkraft treten kann

Hintergrund der Gewerbesteuerforderungen ist ein außerordentlicher Ertrag in der Karstadt-Bilanz, der durch den geplanten Verzicht der Gläubiger auf Forderungen von bis zu zwei Milliarden Euro entstehen würde. Weitere Bedingung für das Inkrafttreten des Insolvenzplans ist die Unterschrift eines Investors unter den Kaufvertrag bis zum kommenden Freitag.

Dann soll entschieden werden, an welchen Bieter Karstadt fällt. Im Rennen ist der deutsch-schwedische Finanzinvestor Triton. Der Investor Nicolas Berggruen, ein weiterer Interessent, holte sich mit dem Textil-Unternehmer Max Azria einen Partner aus dem Handel ins Boot, um die Chancen seiner Offerte zu verbessern.

Beide Angebote sind aber an Zugeständnisse gekoppelt: Berggruen setzt auf ein Entgegenkommen der Warenhaus-Vermieter, Triton auch auf weitere Abstriche der Belegschaft – was die Gewerkschaft Verdi scharf kritisiert hat. In Branchekreisen wird zudem noch eine Offerte des Vermieter-Konsortiums Highstreet unter Führung der US-Investmentbank Goldman Sachs erwartet. Ein offizielles Angebot hat Highstreet, dem die Mehrzahl der Warenhaus-Immobilien gehören, bislang aber noch nicht abgegeben.

Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane forderte in einem Interview mit dem Deutschlandradio Kultur einen Erhalt der Warenhauskette als Ganzes. Karstadt dürfe nicht "auseindergekloppt" werden, damit die besten Stücke verscherbelt werden könnten, sagte sie.

Es helfe jedoch nichts, einem Interessenten den Zuschlag zu erteilen, der die Sanierung finanziell nicht durchhalte, so Mönig-Raane. Sowohl Berggruen als auch Highstreet gehörten nicht in diese Kategorie, sagte sie.

Im Gegensatz zu Triton hatte Berggruen als Voraussetzung für einen Einstieg bei Karstadt keine weiteren Zugeständnisse von der Belegschaft verlangt. Die rund 25.000 Karstadt-Beschäftigten hatten sich zuvor bereits zu einem Verzicht von mehr als 150 Millionen Euro bereit erklärt.