Frage: Herr Weimer, Sie wollten Ihr chronisch ertragsschwaches Privatkundengeschäft mit der Übernahme der deutschen SEB stärken. Nun pfeifen die Spatzen von den Dächern, das Santander ein höheres Angebot abgegeben hat.

Theodor Weimer: Ich weiß nicht, was die Spatzen von den Dächern pfeifen. Aber wir haben für das Privatkundengeschäft der SEB in Deutschland geboten und hätten es sehr gerne. Das wäre eine sehr gute regionale Ergänzung für unsere Plattform. Wir hätten auf einen Schlag eine Millionen Kunden zusätzlich und könnten unsere Kostenstruktur und relative Position verbessern.

Frage: Und nun - aus der Traum?

Weimer: Ich weiß nur, dass der Prozess formal nicht beendet ist. Der Stand der Dinge ist aber nicht so, dass ich zuversichtlich bin.

Frage: Das heißt, Sie müssten Ihr Angebot noch einmal aufstocken. Haben Sie das vor?

Weimer: Nein, das werden wir nicht tun. Wir stehen zu unserem Angebot in Struktur und Preis. Ein Kauf muss sich immer auch rechnen, schließlich wollen wir ja Werte schaffen, nicht zerstören. Außerdem: auch mit der SEB würden wir im Privatkundengeschäft nicht über Nacht rauschend Geld verdienen.

Frage: Sie haben oft gesagt, dass sich im deutschen Privatkundengeschäft kaum Geld verdienen lässt. Warum lassen Sie es nicht einfach?

Weimer: Das Geschäft mit Privatkunden ist eine der tragenden Säulen des Geschäftsmodells unserer Gruppe, das gilt auch für Deutschland. Wir haben eine stabile Plattform und verlieren kein Geld.

Frage: Warum ist der Markt so kaputt?

Weimer: In Deutschland gibt es zu viele Banken und zu viele Filialen. Es wurde zudem nie für die Beratung Geld verlangt. Und es fehlt noch häufig das Bewusstsein, dass mit dem Geschäft die Kapitalkosten verdient werden müssen. Ein Großteil des Privatkundenmarktes in Deutschland, allen voran die Sparkassen, muss nicht kapitalkostendeckend arbeiten.

Frage: Warum also in das Geschäft investieren? Sie könnten das Privatkundengeschäft ja auch abstoßen.

Weimer: Vergessen Sie die Einlagenseite nicht. Wenn man das Retailgeschäft mit seinen Einlagen verkaufen würde, würde die Refinanzierung der Gesamtbank bedeutend schwieriger. Auch deshalb werden wir uns nicht davon trennen.