Welche Rolle spielte BP beim schwersten Öl-Unglück in der Geschichte der Vereinigten Staaten? Dieser Frage geht der Energieausschuss des US-Repräsentantenhauses seit einigen Wochen nach. Nun musste auch Konzernchef Tony Hayward den Abgeordneten Rede und Antwort stehen. Gleich zu Beginn sah er sich dabei schweren Vorwürfen ausgesetzt.

"Wir konnten keine Beweise dafür finden, dass Sie den Risiken, die BP eingegangen ist, irgendwelche Aufmerksamkeit geschenkt haben", sagte der demokratische Ausschuss-Vorsitzende Henry Waxman an die Adresse Haywards. "BP hat alles unternommen, um hier eine Million Dollar und dort ein paar Stunden oder Tage zu sparen."

Nicht nur Waxman, auch viele andere Abgeordnete stellten Hayward mit scharfen Kommentaren zur Rede. Der BP-Chef müsse schlimmstenfalls mit einem "goldenen Handschlag daheim in England" rechnen, sagte Sitzungspräsident Bart Stupak. "Wir in Amerika hingegen müssen mit den schrecklichen Folgen der Missachtung leben, die BP gegenüber Sicherheitsbestimmungen gezeigt hat." Im Übrigen seien die Reaktionen auf die Katastrophe genau so erbärmlich gewesen wie die Sicherheitsmaßnahmen davor. "Was wir bisher erfahren haben, ist alarmierend."

Hayward, der einen müden Eindruck machte, entschuldigte sich für die Umweltkatastrophe. Eine "beispiellose Serie von Fehlern" habe zu der Ölpest im Golf von Mexiko geführt, die niemals geschehen dürfen, sagte er.  "Die Explosion und das Feuer auf der Deepwater Horizon und die daraus resultierende Ölpest hätten sich nie ereignen dürfen, und mir tut es sehr leid."

Der 53-Jährige sagte den Abgeordneten zu, verloren gegangenes Vertrauen in BP wiederherzustellen. "Ich weiß, dass nur Taten und Ergebnisse, nicht aber reine Worte dies erreichen können", sagte er. "Ich gebe Ihnen mein Versprechen als Chef von BP, dass wir nicht ruhen werden, ehe wir die Aufgabe erledigen ." Er selbst sei "am Boden zerstört" über dieses "schreckliche Ereignis".

Haywards Erklärung wurde von einer lautstark protestierenden Frau unterbrochen, die ihre Hände eingeschwärzt hatte und rief: "Tony, du gehörst vor Gericht." Sie wehrte sich heftig gegen Polizeibeamte, die sie schließlich aus dem Saal führten.

Der Brite bekam aber auch Unterstützung, die zeigt, dass sie Seilschaften zwischen US-Republikanern und den Ölkonzernen offenbar noch immer intakt sind. Der Abgeordnete Joe Barton aus Texas bezeichnete  den politischen Druck der Regierung von Präsident Barack Obama als "beschämend". Ihn störte vor allem, dass Washington den Ölmulti "gezwungen" habe, 20 Milliarden Dollar in einen Entschädigungsfonds einzuzahlen. Dafür entschuldigte sich Barton ausdrücklich bei Hayward: "Ich will nicht in einem  Land leben, in dem Bürger oder Unternehmen, wenn sie Fehler machen, einem politischen Druck ausgesetzt werden, der auf Erpressung hinausläuft."

Ein eindeutiges Schuldeingeständnis von BP hörten Ausschussmitglieder und Öffentlichkeit bislang nicht. Hayward bat um Verständnis dafür, dass die genauen Ursachen der Explosion am 20. April und das anschließende Versagen der Sicherheitssysteme noch nicht geklärt seien. Es seien noch ausgiebige Untersuchungen nötig, um die Ursache dieses "komplexen Unfalls" aufzuklären. Er verstehe, dass die Menschen eine einfache Antwort auf die Frage wollten, warum dies geschehen sei und wer dafür verantwortlich sei. Es sei aber eine ganze Reihe von Unternehmen darin verwickelt, "darunter BP". "Es ist ganz einfach zu früh, um die Ursache für die Katastrophe zu benennen."

Mit diesen Äußerungen nahm der Konzernchef Bezug auf eine fast zwei Monate alte, BP-interne Untersuchung. Diese konzentriere sich auf Pannen bei insgesamt sieben Sicherheitsmechanismen, die eigentlich den Unfall hätten verhindern oder zumindest das Ausmaß der Ölpest hätten eindämmen sollen. Hayward nannte unter anderem den Zement zur Abdichtung des Bohrlochs, die Ummantelung der Quelle, die demselben Zweck dienen sollte, sowie die Sicherheitsventile.

Mitte April war die Deepwater Horizon explodiert und zwei Tage später gesunken. Seitdem strömen täglich bis zu 60.000 Barrel Öl aus dem Bohrloch, das entspricht etwa 9,5 Millionen Liter. Derzeit kann BP nach eigenen Angaben etwa 15.000 Barrel täglich in ein Schiff abpumpen, ein weiteres Schiff wurde inzwischen mit dem lecken Sicherheitsventil des Bohrlochs verbunden.