Der britische Ölkonzern BP gerät wegen des Öldesasters im Golf von Mexiko immer stärker unter Druck. Die US-Regierung hat ihre finanziellen Forderungen an den Konzern ausgeweitet und zugleich Zweifel daran geäußert, dass BP sowie die Bohrfirma Transocean ausreichend Mittel haben, um für die Kosten der Katastrophe aufzukommen.

Innenminister Ken Salazar sagte vor einem Ausschuss des Senats, er werde BP auffordern, die Gehälter der Arbeiter zu zahlen, die wegen des sechsmonatigen Moratoriums für Tiefseebohrungen freigesetzt wurden. Das Justizministerium erwägt zudem Schritte, um sicherzustellen, dass der Konzern tatsächlich alle entstehenden Kosten übernehmen kann. Ein hochrangiger Vertreter des Ministeriums sagte, es werde derzeit geprüft, ob BP mit einer einstweiligen Verfügung an der Auszahlung einer Dividende gehindert werden könne. Dies hatten 33 Abgeordnete des Repräsentantenhauses bereits in einem Brief an den Chef des Ölkonzerns, Tony Hayward, gefordert. Solange noch hohe Kosten wegen der der Ölpest ausstehen, solle das Unternehmen kein Geld für Dividenden und Werbekampagnen zur Imagereparatur ausgeben, hieß es darin.

BP bemühte sich um Schadensbegrenzung. Denn nachdem die Aktie des Konzerns bereits seit Wochen im Sinkflug ist, brach sie nun erneut auf breiter Front ein. "Wir kennen keinen Grund, der den aktuellen Absturz rechtfertigt", teilte BP daher mit. Man verfüge über ausreichend finanzielle Mittel, um alle Kosten des Unfalls zu tragen.

Analysten der US-Investmentbank Merrill Lynch gehen derzeit davon aus, dass die Gesamtbelastung bei rund 28 Milliarden Dollar liegen wird, schließen aber auch nicht aus, dass die Summe noch höher ausfallen könnte. Bisher hat BP eigenen Angaben zufolge rund 1,4 Milliarden Dollar für den Kampf gegen das Öl ausgegeben, rechnet aber damit, dass die Ausgaben noch deutlich steigen werden.

Trotz der Bekundungen seitens BP schließen Börsenhändler inzwischen eine Übernahme des Ölmultis nicht mehr aus. "Ich kann absolut verstehen, warum jemand anderes derzeit BP-Anlagen kaufen würde, denn meiner Meinung nach sind sie momentan absolut unterbewertet", kommentierte Robert Talbot von der Finanzberatung Royal London Asset Management im Sender BBC die Talfahrt der Aktie . Seit der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon am 20. April hat BP bereits etwas 40 Prozent seines Marktwertes eingebüßt. 

Britische Unternehmensverbände und Aktionäre haben sich daher bereits besorgt über die zunehmend schärfere Tonart der Regierung in Washington geäußert. Der dramatische Absturz der BP-Aktien und der Druck auf den Konzern, keine Dividende auszuzahlen, könnte für britische Pensionsfonds und andere Anleger ernsthafte Folgen haben.

Der britische Premierminister David Cameron erklärte, seine Regierung sei bereit, BP bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Der Ölkonzern müsse alles in seiner Macht stehende tun, um die Situation zu bewältigen, sagte Cameron. Er verstehe die Frustration der US-Regierung über die Umweltkatastrophe und werde das Thema bei anstehenden Treffen und Telefongesprächen mit Präsident Barack Obama diskutieren. Es müsse nun vor allem versucht werden, die Folgen abzumildern und das Problem in den Griff zu bekommen.